Ja, sie lebt noch! Der unglaubliche Weg der Fußballstatistikorganisation IFFHS

Fußballstatistik

Ich finde: Fußball heißt Statistik! Iniesta fummelt fast himmlisch schön. Oder doch: International Federation of Football History and Statistics. Wofür IFFHS nun wirklich genau steht? Ach, komm, denk’ dir doch selber einen schönen Titel aus! Denn so viele un- und sinnige Bezeichnungen hinter dieser Abkürzung auch stecken könnten, so viele Frage- und Ausrufezeichen ploppen auf, wenn man sich mal ein paar Stunden beschäftigt mit … mal ein paar Minuten gugelt nach dem Phänomen IFFHS.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF hat das offensichtlich nicht gemacht. Denn die Frage Hat Spanien die beste Liga der Welt? beantwortete die SRF-Redaktion jüngst unter anderem mit Verweis auf das Fachwissen der IFFHS:

Deshalb stellt die International Federation of Football History & Statistics (IFFHS) jährlich eine Rangliste aller Ligen weltweit auf. Dazu wird ein Geflecht verschiedener und relativ undurchsichtiger Faktoren berücksichtigt.

Die deutsche Bundesliga landet in dieser Liste der undurchsichtigen Geflechte auf Platz drei, gerade noch knapp vor der argentinischen. Spanien auf eins, die Premier League hinter der brasilianischen Liga nur enttäuschender Siebter. Nun kann man über die Stärken nationaler Fußball-Ligen ja streiten bis zur nächsten Meisterschaft von Hansa Rostock – aber die erneute Hofierung der IFFHS als relevante, ernstzunehmende Quelle in fußballstatistischen Fragen ist erstaunlich.

Denn das Image der IFFHS ist – zumindest in Deutschland – reichlich beschädigt. Die Liste der kritischen Artikel zu der Organisation ist so lang wie renommiert: Spiegel, Süddeutsche, 11 Freunde, Taz. Das hindert andere Medien allerdings nicht daran, die IFFHS immer wieder als Quelle ins Gespräch zu bringen, wenn mal wieder ein Manuel Neuer oder Markus Merk als Welt-Torhüter oder -Schiedsrichter gekürt werden. Auch der DFB verweist in schöner Regelmäßigkeit auf die obskure Organisation, die den Vorwurf der Intransparenz, des Vortäuschens von Kompetenz und der Willkür auch durch ihre frickelige Webseite nicht wirklich ausräumen kann.

Und damit meine ich gar nicht mal die wunderliche IFFHS-Gründungsgeschichte um einen sonderlichen Dr. aus Leipzig, der es sich wohl erst mit der DDR und anschließend mit so manchem skeptischen Sportjournalisten verdarb. Nein, bis heute bleiben die exakten Kriterien der einzelnen IFFHS-Wahlen genauso im Unklaren wie der fachliche Hintergrund des IFFHS-Personals und die bilateralen Beziehungen zur Fifa, Uefa und zum SV Fortuna Tützpatz.

Aber nun gut. Es sind viele ziemlich wohlhabende Menschen auf den IFFHS-eigenen Bildern zu sehen, es dürfte diesen komischen Klub also noch etwas länger geben, und der Hauptsitz in Lausanne nahe des IOC hat da auch so sein Geschmäckle; aber was soll’s, leben und leben lassen. Und so möchte ich schließend für einen unheilvollen Blick in die Zukunft die IFFHS in ihrem ganz eigenen Englisch zitieren:

The IFFHS is also clear about its future global role which it will strongly seek to fulfil, without regard to outside influences. … Also will be of worldwide interest some surprises.

Für drei: Ballett

Lange nicht gehabt hier, die Rubrik. Aber aus aktuellem Anlass muss das jetzt mal wieder.

1. DJ Quicksilver – Bellissima
Menschen mit Plattenspielern und Ufftata-Mucke mischen – alle hübsch in Erdtönen gehalten – ein klassisches Ballettstudio auf. Dazu zappelte meine Mehr- oder Wenigkeit vor vielen Jahren begeistert auf diversen Tanzflächen. Animiert immer noch ganz gut zum Mitwippen, finde ich.

2. Herbert Grönemeyer – Demo (Letzter Tag) Großer Song. Großes Video. Unser Lied. Als meine Schwester dazu auf meiner Hochzeit tanzte, musste ich die Schleusen öffnen. Wurde hier schon mal verlinkt, aber na und. Die Tänzerin brilliert in Joggingbuxen vor leerem Publikum, und ihr scheint das sehr egal.

3. Leonard Cohen – Dance me till the end of love
Heute Nacht starb der Mann mit der so tiefe Stimme, nachdem er gerade erst sein letztes Album abgeschlossen hatte. Das ist Willenskraft. Im Video gibt’s den Tango aus „Der Duft der Frauen“, ein paar kitschige Pferde und gegen Ende eine pathetische Ballett-Einlage. Aber zu so einem Anlass darf das.

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Mehr Für-drei’s:
Computersongs
Cover
Tanz
Neunziger-Rave-Tänze
Sterne
Kekse

Fieser Tempo-60-Blitzer auf der Berliner Stadtautobahn

Aus aktuellem Anlass hier mal eine kleine Warnung für alle, die nur selten auf der Berliner Stadtautobahn A100 fahren: Seit einem Jahr gibt es dort in Richtung Hamburg eine Tempo-60-Zone (in etwa hier), die gerade nachts alles andere als gut gekennzeichnet ist und mit einem fest installierten Blitzer endet. Warum das so ist? Weil da ’ne Brücke bröckelt. Aber vielleicht könnense die ja mal heilemachen, wenn diese Sache mit dem Flughafen durch ist.

Traubenklau in der Kaufhalle

Weintrauben Foto: Henry Herkula via Flickr unter CC-Lizenz by-nc

Er hatte sich in der Tat die schönsten, größten, knackigsten und vermutlich saftigsten Weintrauben ausgesucht. Links lagen die billigen Discountertrauben, die bestimmt von Achtjährigen geerntet, von Zwölfjährigen verpackt und danach zweieinhalbmal um die Welt kutschiert wurden, damit die Neubrandenburger an diesem Oktobervormittag Weintrauben kaufen konnten. Rechts lagen die Biotrauben, unverpackt, aber ebenso klein und farblos. Doch in der Mitte, da lag es, das Traubenparadies: Weinbeeren wie aus dem Bilderbuch, jede Traube von der anderen brav durch einen Schaumstoffwinkel abgetrennt.

Der Mann gab sich keine große Mühe, sein Tun in der Grauzone zwischen „macht doch jeder mal“ und „das ist jetzt aber ganz schön unverschämt“ zu kaschieren. Wäre auch nicht einfach geworden: Er war ungefähr einsfünfundneunzig groß, und auch beim Gewicht hätte ich nicht viel auf eine Zweistelligkeit gewettet. Wem er also durch seine Statur nicht schon auffiel, der wäre mit seinen Augen spätestens an der neongrellen Allwetterjoppe hängengeblieben, die in der Bauchregion schon ein wenig spannte.

Vielleicht ist ja die augenscheinliche Korpulenz des Mannes auch Hintergrund seines frechen Traubenklaus, vielleicht hatte ihm sein Hausarzt ja eine ordentliche Obstdiät aufgebrummt, und vielleicht ging ihm das ständige Besorgen von massenhaft Südfrüchten ja auch einfach nur zu sehr ins Geld. Er stand da nun also vor den Premiumtrauben, begutachtete die Früchte ausführlich, zupfte mit geübtem Griff eine Beere ab und steckte sie sich ohne zu zögern in den Mund. Er kaute ostentativ, und ich hätte wenig gestaunt, hätte er die Traubenprobe mit Kennermiene zurück in die Obstauslage gespuckt.

Ojemine, ein Traubengourmet!

Doch dem war wohl nicht so. Denn der Mann hatte alsbald die nächste Frucht im Mund, und dann gleich schon noch eine. Hui, dachte ich, der geht aber ganz schön ran, der hat dann wohl sein Vitaminpensum für diesen Vormittag erledigt. Ich stand kurz davor, ihm entweder mit wissendem Blicke eine Highfive anzubieten oder seinen Abgang abzuwarten und mir ebenfalls ein, zwei Trauben einzuverleiben, so genüsslich mampfte der Mann seine Trauben, und so wenig ließ er sich von der mittelgut gefüllten Obstgemüseabteilung in der Kaufhalle davon abhalten.

Doch dann – ich suchte gerade ein Bananenbüschel mit nicht allzu grünen Exemplaren – tapperte der Traubendieb von den Kräutern, wo er mit seiner Frau über die richtige Wahl eines Petersilientopfes beriet, schon wieder schnurstracks in Richtung Weintraubenabteilung. Erneut parkte er zielsicher direkt vor den Premiumtrauben, er zupfte einmal, Mund auf, rein, er zupfte nochmal, Mund auf, rein. Und als auch die zweite Traube verspeist war, holte er zum finalen Traubenzupfer aus und hatte schließlich drei, vier Beeren erst in der Hand und schließlich – auf ein Mal! – im Mund.

Dabei war es ihm tatsächlich gelungen, die Auslage halbwegs gerecht zu fleddern und nicht einzelne Trauben bevorzugt zu plündern. Dennoch schien ihn ein kleines bisschen das schlechte Gewissen zu beschleichen. Ein angedeuteter, kaum wahrnehmbarer Blick nach links, kurz darauf einer nach rechts, ein kurzer Ablenkungsblick hinein in die für ihn offenbar total uninteressante Birnenauslage, und dann der Rückzug. Als er wieder bei seiner Frau ankam, hatte er seine Beute längst verschlungen, die Holde konnte von seinem üppigen Mahl nichts mehr ahnen.

Derart gestärkt übernahm der Mann, der gerade ein knappes Dutzend heller Weintrauben mehr oder weniger gemopst hatte, die Kontrolle über den Einkaufswagen. Vermutlich musste er in Ruhe sein Mahl verdauen, während die Frau emsig die einzukaufenden Waren herbeiholte. Ich habe danach kurz noch in der Sprirituosenabteilung nachgesehen, ob der Mann seinem Obsthäppchen einen kurzen Tollensekräuterlikör hinterherschiebt.

Doch dem war dann nicht so.