Für drei: Ballett

Lange nicht gehabt hier, die Rubrik. Aber aus aktuellem Anlass muss das jetzt mal wieder.

1. DJ Quicksilver – Bellissima
Menschen mit Plattenspielern und Ufftata-Mucke mischen – alle hübsch in Erdtönen gehalten – ein klassisches Ballettstudio auf. Dazu zappelte meine Mehr- oder Wenigkeit vor vielen Jahren begeistert auf diversen Tanzflächen. Animiert immer noch ganz gut zum Mitwippen, finde ich.

2. Herbert Grönemeyer – Demo (Letzter Tag) Großer Song. Großes Video. Unser Lied. Als meine Schwester dazu auf meiner Hochzeit tanzte, musste ich die Schleusen öffnen. Wurde hier schon mal verlinkt, aber na und. Die Tänzerin brilliert in Joggingbuxen vor leerem Publikum, und ihr scheint das sehr egal.

3. Leonard Cohen – Dance me till the end of love
Heute Nacht starb der Mann mit der so tiefe Stimme, nachdem er gerade erst sein letztes Album abgeschlossen hatte. Das ist Willenskraft. Im Video gibt’s den Tango aus „Der Duft der Frauen“, ein paar kitschige Pferde und gegen Ende eine pathetische Ballett-Einlage. Aber zu so einem Anlass darf das.

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Fieser Tempo-60-Blitzer auf der Berliner Stadtautobahn

Aus aktuellem Anlass hier mal eine kleine Warnung für alle, die nur selten auf der Berliner Stadtautobahn A100 fahren: Seit einem Jahr gibt es dort in Richtung Hamburg eine Tempo-60-Zone (in etwa hier), die gerade nachts alles andere als gut gekennzeichnet ist und mit einem fest installierten Blitzer endet. Warum das so ist? Weil da ’ne Brücke bröckelt. Aber vielleicht könnense die ja mal heilemachen, wenn diese Sache mit dem Flughafen durch ist.

Traubenklau in der Kaufhalle

Weintrauben Foto: Henry Herkula via Flickr unter CC-Lizenz by-nc

Er hatte sich in der Tat die schönsten, größten, knackigsten und vermutlich saftigsten Weintrauben ausgesucht. Links lagen die billigen Discountertrauben, die bestimmt von Achtjährigen geerntet, von Zwölfjährigen verpackt und danach zweieinhalbmal um die Welt kutschiert wurden, damit die Neubrandenburger an diesem Oktobervormittag Weintrauben kaufen konnten. Rechts lagen die Biotrauben, unverpackt, aber ebenso klein und farblos. Doch in der Mitte, da lag es, das Traubenparadies: Weinbeeren wie aus dem Bilderbuch, jede Traube von der anderen brav durch einen Schaumstoffwinkel abgetrennt.

Der Mann gab sich keine große Mühe, sein Tun in der Grauzone zwischen „macht doch jeder mal“ und „das ist jetzt aber ganz schön unverschämt“ zu kaschieren. Wäre auch nicht einfach geworden: Er war ungefähr einsfünfundneunzig groß, und auch beim Gewicht hätte ich nicht viel auf eine Zweistelligkeit gewettet. Wem er also durch seine Statur nicht schon auffiel, der wäre mit seinen Augen spätestens an der neongrellen Allwetterjoppe hängengeblieben, die in der Bauchregion schon ein wenig spannte.

Vielleicht ist ja die augenscheinliche Korpulenz des Mannes auch Hintergrund seines frechen Traubenklaus, vielleicht hatte ihm sein Hausarzt ja eine ordentliche Obstdiät aufgebrummt, und vielleicht ging ihm das ständige Besorgen von massenhaft Südfrüchten ja auch einfach nur zu sehr ins Geld. Er stand da nun also vor den Premiumtrauben, begutachtete die Früchte ausführlich, zupfte mit geübtem Griff eine Beere ab und steckte sie sich ohne zu zögern in den Mund. Er kaute ostentativ, und ich hätte wenig gestaunt, hätte er die Traubenprobe mit Kennermiene zurück in die Obstauslage gespuckt.

Ojemine, ein Traubengourmet!

Doch dem war wohl nicht so. Denn der Mann hatte alsbald die nächste Frucht im Mund, und dann gleich schon noch eine. Hui, dachte ich, der geht aber ganz schön ran, der hat dann wohl sein Vitaminpensum für diesen Vormittag erledigt. Ich stand kurz davor, ihm entweder mit wissendem Blicke eine Highfive anzubieten oder seinen Abgang abzuwarten und mir ebenfalls ein, zwei Trauben einzuverleiben, so genüsslich mampfte der Mann seine Trauben, und so wenig ließ er sich von der mittelgut gefüllten Obstgemüseabteilung in der Kaufhalle davon abhalten.

Doch dann – ich suchte gerade ein Bananenbüschel mit nicht allzu grünen Exemplaren – tapperte der Traubendieb von den Kräutern, wo er mit seiner Frau über die richtige Wahl eines Petersilientopfes beriet, schon wieder schnurstracks in Richtung Weintraubenabteilung. Erneut parkte er zielsicher direkt vor den Premiumtrauben, er zupfte einmal, Mund auf, rein, er zupfte nochmal, Mund auf, rein. Und als auch die zweite Traube verspeist war, holte er zum finalen Traubenzupfer aus und hatte schließlich drei, vier Beeren erst in der Hand und schließlich – auf ein Mal! – im Mund.

Dabei war es ihm tatsächlich gelungen, die Auslage halbwegs gerecht zu fleddern und nicht einzelne Trauben bevorzugt zu plündern. Dennoch schien ihn ein kleines bisschen das schlechte Gewissen zu beschleichen. Ein angedeuteter, kaum wahrnehmbarer Blick nach links, kurz darauf einer nach rechts, ein kurzer Ablenkungsblick hinein in die für ihn offenbar total uninteressante Birnenauslage, und dann der Rückzug. Als er wieder bei seiner Frau ankam, hatte er seine Beute längst verschlungen, die Holde konnte von seinem üppigen Mahl nichts mehr ahnen.

Derart gestärkt übernahm der Mann, der gerade ein knappes Dutzend heller Weintrauben mehr oder weniger gemopst hatte, die Kontrolle über den Einkaufswagen. Vermutlich musste er in Ruhe sein Mahl verdauen, während die Frau emsig die einzukaufenden Waren herbeiholte. Ich habe danach kurz noch in der Sprirituosenabteilung nachgesehen, ob der Mann seinem Obsthäppchen einen kurzen Tollensekräuterlikör hinterherschiebt.

Doch dem war dann nicht so.