So much love

dm

Wir kommen vom Freitagabendfußball und essen Pizza. Dann wird hier geduscht, da werden Katzen gefüttert, die Großmutter kümmert sich um die Küchenordnung, und einem gemütlichen Kautschabend steht nichts mehr im Weg. Doch da sind ja Depeche Mode, die gerade ihr zigstes Studioalbum veröffentlicht haben.

Wir sitzen vor dem Computerbildschirm und sehen das Konzert in Berlin, das Dutzende Kameras so aufzeichnen, dass wir den Kamerawinkel mit der Maus bestimmen können. Dreihundertsechziggrad-Livestream. Was für ein Spaß! Heinrich ruft plötzlich: „Da, die Keule da hat gerade Whatsapp offen!“ Charlotte kommt kurz vorbei und bemerkt: „Die Frau da im Publikum hat aber einen ganz schön gewagten Ausschnitt.“ Luise bewertet Frontmann Dave Gahan: „Warum wackelt der eigentlich die GANZE Zeit mit dem Po?“

Gute Frage. Fakt ist, wir sehen fast das gesamte (einstündige) Konzert. Noch mal zum Verständnis: Eins, mal zwei, kurz sogar mal drei Kinder sehen mit ihrem Vater das Konzert einer Popband, die weder in den Charts, noch in irgendwelchen Youtubehipsterlisten vertreten ist und schon gar nicht mehr im Radio läuft. Und warum? Weil sie es können. (Zum Beispiel mit der Kamera rumspielen.) Die Musik finden sie so lala, ganz okay, guter Sound, halt so mittel eingängig, und die Typen da sind ja auch schon eher … naja: alt.

Dann hören sie „World in my eyes“ und sind ganz angetan von der Melodei und dem ganz gut verständlichen Englisch und natürlich vor allem von der Möglichkeit, die Kamera selbst steuern zu können. Und schwupps, ist das Konzert vorbei, thank you very much, das war ziemlich kuhl, Papa.

Tja.

Danke, Internet.

dm

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