Heute hat mich eine Amsel angepöbelt

Und das kam so:

Der Wetterbericht sagt für uns Sturm voraus.
Und da hängt ein Kranz vor unserem Haus.
Darin ein Nest, akkurat gestrickt
vom Amselweibchen, äußerst geschickt.

Drei Eier kuscheln sich tief im Neste.
Die Vogelmama will nur das Beste.
Sie baute am Heim fünf Wochen lang.
Nun ist sie um ihre Brut ganz bang.

Sie sitzt auf den Eiern und mustert mich kritisch.
Doch jetzt wird das Ganze hier hochpolitisch.
Denn die Menschenfamilie fordert ganz klar:
Mach das Nest fest – und zwar unmittelbar!

Denn sollten die Starkwinde wirklich hier wehen,
würde ein Vogelnestunglück geschehen.
Also mach ich mich auf mit Willen und Draht,
um das Nest festzumachen, wenn der Sturm naht.

Das ist nicht so einfach: Die Amsel ist sauer!
Ich komme ihr vor wie ein Vogel-Ei-Klauer.
Sie zetert und flattert und pöbelt und schreit.
Sie zerplustert ihr molliges Vogelweibkleid.

Sie weiß nicht, dass ich ihr Retter bin.
Sie ahnt nicht, dass ich hab Gutes im Sinn.
Sie hüpft um mich rum und meckert gar sehr.
Sie würde mich hau’n, wenn größer sie wär’.

Doch das Amselnest, das ist nun sicher.
Und mich überkommt ein bisschen Gekicher:
Denn als ich gehe, sieht sie mich an,
als wenn sie sagen wollte:
Das hat ganz schön gedauert, Mann!

Ausgebuddelt: W. Zahrendt, Neubrandenburg

Lange nix mehr ausgebuddelt hier. Jetze aber mal wieder.

Ende des 19. Jahrhunderts muss es eine Familie Zahrendt in oder um Neubrandenburg gegeben haben, die dem Handel mit Alkoholika zugeneigt gewesen ist. So findet sich in diesem Eintrag einer Familiendatenbank ein Hinweis auf einen „Bierverleger“ Richard Zahrendt in Neubrandenburg, und das klingt schon so klasse, Bierverleger, das könnte man sich glatt für später mal vorstellen, so als zweites berufliches Standbein.

Doch auch ein Verwandter des Bierverlegers hat damals sein Geschäft mit Mineralwasser, Wein und Bier gemacht. Das zeigt sich in dieser wunderschönen Printreklame aus dem Jahr 1901. Darin ist zu erfahren, dass ein gewisser „W. Zahrendt“ die Produkte der damals führenden Brauerei im Nordosten, Mahn & Ohlerich aus Rostock, am Tollensesee verkaufen möchte.

Und diese Handels-Verbindung dürfte auch den Anker erklären, der sich auf einem Porzellan-Zapfen von „W. Zahrendt, Neubrandenburg“ befindet, den ich jüngst aus dem Vorgarten buddelte. Mit Dichtungsring und Drahtfeder muss das Ding vor mehr als hundert Jahren mal ’ne Buddel Küstenbier verschlossen haben, die dann irgendwo in der Ihlenfelder Vorstadt ausgesüffelt wurde und schließlich in der Erde des Wolfswinkels versank.

W. Zahrendt

zahrendt2

(Was soll das? Und gibt’s da noch mehr von?)

Beamtentitsche

… heißt eine Soße, die zu Kartoffeln gegessen wird. Sie war ursprünglich ein typisches „Arme-Leute-Essen“, denn auch die einfachen Beamten waren relativ arm. In die Sauce kamen daher oft auch Speisereste. [Quelle: Lexikon]

Gab es früher bei uns auch regelmäßig, wenn’s mal schnell gehen musste. Scheint in Nordostdeutschland recht verbreitet gewesen zu sein, besonders offenbar in Berlin und im Anhaltinischen. Nur eben statt unter dem offenbar recht bekannten Terminus „Beamtenstippe“ unter dem Namen „Beamtentitsche“. Letzterer ist bei Fa. Gugel bislang ausschließlich in einer Schwarz-Weiß-Reklame der Speisegaststätte „Schützes Jägerstube“ in Calbe an der Saale aktenkundig geworden. Die Region scheint es offenbar recht deftig zu mögen, gibt es dort zum Sonntags-Brunch doch auch Bollentitsche und Calbenser Zwiebelsteak, abgerundet durch das Zwiebel-Speckkuchen-Dessert (Quelle: PDF, Sommerausgabe 2010 des Calbenser Blatts, Seite 15)

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Auf der schönen Seite „Kochen mit Hartz IV“ gibt’s das Rezept – unterlegt mit Henry-Maske-Musik – nochmal als „Beamtenditsche“. Aber auch hier: Nur ein Gugeltreffer. Schlimm, das.

Die verdienten Küchenkräfte von ErichsErbe.de haben das mal nachgekocht, das Rezept gibt’s hier oder eben in einer Netzkochecke Ihrer Wahl unter dem Suchwort Beamtenstippe; aber eben nicht unter Beamtentitsche. Der Youtube-Kanal heißt Ostdeutschkochen:

Apropos ostdeutsch kochen: Sebastian Saumselig Fiebrig hat für die deutsche Dependance von Buzzfeed mal eine Woche lang eben jenes getan, geknipst und aufgeschrieben, und hier ist das Ergebnis. Und Caspar Leitmedium Mierauf fragt an dieser Stelle, wie ein original DDR-Frühstück ausgesehen hat. Und dabei hat er offenbar schon einen Kollektiv-Irrtum aufgedeckt.

Karow, Parchtitz, Neddemin – Weihnachtshäuser in MV

Gerade mal zwei festlich erleuchtete Häuser am Plauer See und auf Rügen bietet die Seite weihnachts-lichter.de für Mecklenburg-Vorpommern auf. Für das laut Eigenwerbung „größte deutschsprachige Weihnachtshäuser-Portal“ ein bisschen dürftig, finde ich, fährt man doch gefühlt in jedem siebten Ort an einem dieser übermäßig lichtdekorierten Buntburgen vorbei. Natürlich fehlt zum Beispiel auch das Neddeminer Weihnachtshaus, das per Bild hier zu bewundern ist und vor einigen Jahren auch schon im Fernsehen war:

Und überhaupt sollte man die Show denen überlassen, die es können. So widme ich abschließend Heinrich und allen anderen Star-Wars-Fans noch diese häusliche Ungeheuerlichkeit:

Umbau’n lohnt sich nicht

Es war eine fixe Idee, und ich hätte ihr nicht trauen dürfen.

Schraube locker? 179/365

Foto: Dennis Skley via Flickr unter CC-Lizenz by-nd

Lange schon hatte ich mir vorgenommen, den Kühlschrank umzubauen. Statt nach rechts sollte er nach links öffnen. Und just heute schwebte mir die Heimwerker-Muse auf die Schulter, und sie flüsterte verführerisch: „Tu es heute, Baby!“

Ein kaltes Herz, wer hier abzulehnen in der Lage ist. So schraubte ich die Kühlschranktür ab, und es folgte die des Gefrierabteils. Ein kurzer, prüfender Blick, und die nächsten Aufgaben waren erfasst: Blenden abnehmen, Griffe umsetzen, Gefriertür ran, Blenden wieder ran.

Dasselbe für die obere Tür. Ich war im Prinzip fertig, als er sich endlich zeigte, der Haken an der Sache. Ein Metallstift musste von der rechten an die linke Seite eines Lochwinkels umgesetzt werden. Und nein, ich habe keinen Schimmer, ob das tatsächlich die korrekten Begriffe der Baumarkt-Schlaumeier sind!

Dieser Metallstift hält die Kühlschranktür von oben. Und er ließ sich nicht bewegen. Diagnose: Gewinde im Poppes! Ich pumpte mich auf und ließ meine gesammelte hochkonzentrierte Kraft über eine Zange auf das nicht mal einen Zentimeter im Durchmesser messenden Zylinderchen einwirken – nichts. Das Ding war hinüber.

Okay. ,Support your local Handwerk‘, dachte ich sogleich und tapperte zum Haushaltswarenfachhandel zwischen Pitstop und Gymnasium. Dort wurde ich ausgelacht, Ersatzteile für Kühlschränke könnte ich höchstens auf dem Schrottplatz suchen. Man könne vielleicht beim Hersteller mal anfragen und … okay, man ahnt es schon, dauert ewig und kostet den Gegenwert von anderthalb Neugeräten.

Im Baumarkt fand ich niemanden zum Fragen und erwarb also ein ein Meter langes Ersatzgewinde. Damit das was nutzte, musste aber erst das alte ab. Metallsäge raus und ab dafür! Nach zehn Minuten war das Ding halb durch und plötzlich … bewegte es sich! Umsetzen, anschrauben, fettich.

Und die Moral von der Geschicht: Nur mal schnell was umbau’n lohnt sich nicht.

Ausgebuddelt: Rostzettel

Stahlhandel

Ich finde das sehr beruhigend. Da findet man ein altes, rostiges Dingens und fragt sich natürlich: Was ist das? Wo kommt das her? Und hat das eine Internetseite?

Es hat. Dort steht dann zum Beispiel, dass im Hause Stahl derselben Stahlfirma steckt, die auch die A20 gebaut hat. Der kann ja wohl nicht ganz so schlecht sein, denkt man dann, und freut sich ein wenig.

(Was soll das? Und gibt’s da noch mehr von?)

Fight the Feuerkäfer!

FeuerwanzenSehr geehrte Stadt Neubrandenburg,

hiermit möchte ich die Fällung mehrerer Linden beantragen. In der Straße in der Ihlenfelder Vorstadt, in der wir wohnen, ist die Existenz dieser kreuzgefährlichen Bäume nicht länger hinnehmbar. Der Grund: Feuerwanzen.

Die Gemeine Feuerwanze, gerne auch mal Feuerkäfer genannt, lebt nämlich bevorzugt an Orten, wo Linden wachsen. Es sind sehr „gesellige“ Tiere, erklärt das Lexikon, und das stimmt. Neuerdings suchen die Viecher allerdings nicht nur in Hundertschaften-Größe die Geselligkeit ihrer eigenen Gattung, sondern wandern in eigentlich von Menschen besiedeltes Gebiet ein, bevorzugt in unser Haus.

Das geht so nicht weiter. Wir haben Gegenwehr geübt, nette (Wegfegen) und weniger nette (Einsprühen mit Spülmittel) Verteidigunsformen praktiziert, aber die Feuerwanzen sind immer noch da – und zwar mehr als je zuvor. Sie haben jetzt ihren eigenen Staat ausgerufen, direkt am Schuppen, wahrscheinlich wird demnächst ein Wanzen-Abgesandter die Modalitäten der freundlichen Übernahme mit uns diskutieren kommen.

Wir wissen, dass die Feuerwanzen keine Schädlinge, sondern Lästlinge sind und vertreten außerdem die Meinung, dass ein flächendeckender Pestizid-Einsatz mehr Schaden als Nutzen bringen würde. Außerdem zollen wir den außergewöhnlichen Leistungen der Tiere Respekt („Ist die passende Partnerin gefunden, beginnt der 30-stündige Geschlechtsakt, bei dem das Weibchen bis zu einhundert Eier an verschiedenen Stellen ablegt und ihren Partner dabei einfach auf ihrem Rücken trägt“, Quelle) und bevorzugen ansonsten auch eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung des Grundstücks.

Wie Sie, verehrte Damen und Herren, leicht sehen können, ist die baldige Fällung des halben Dutzends jahrzehntealter Linden in unmittelbarer Nähe unseres Feuerwanzen-Imperiums die einzige Möglichkeit, einer sich abzeichnenden Regionalplage zuvorzukommen. Daher rechnen wir mit einem baldigen und wohlwollenden Urteil Ihrer Seuchenberatungsstelle.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Langer

Besser bewusst buddeln

Ganz passend zur „Ausgebuddelt“-Reihe hier im Blog das Nordkurier-„Unten rechts“ von heute:

450px-Venus_vom_Hohlen_Fels_Original_frontalWo doch die Gartensaison in vollem Gange ist, noch ein Tipp für alle passionierten Erdarbeiter: Augen auf beim Umgraben! Denn sonst verpassen Sie womöglich einen archäologischen Sensationsfund. Dieses Ding hier ist zum Beispiel weder ein gutes Beispiel für schlechte Zahnputzmanieren noch eine besonders drollig geratene Frühkartoffel, sondern die elfenbeinige „Venus vom Hohlen Fels“, die mit 40 000 Jahren älteste Menschendarstellung von der Schwäbischen Alb. Das weiß der Fachmann, und der Hobby-Gärtner fragt sich dennoch, ob er nicht beim Buddeln aus Versehen schon einige zeitgeschichtliche Attraktionen aufgedeckt, nicht erkannt und wieder verschüttet hat. Das wäre jammerschade: Denn so ein „Amor vom Radieschenbeet“ würde sich schließlich in jeder Laubenvitrine gut machen.

Foto: Thilo Parg via Wikimedia Commons unter CC-Lizenz by-sa
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