Soßentrost

„Ooch! Ich hätte jetzt sooo gerne Tomatensoße zu den Nudeln.“

Sagte Charlotte am Mittagstisch eher so beiläufig. Mama hatte es doch tatsächlich gewagt, eine andere Gemüsesoße anzubieten. Nun ja, Dinge passieren. Energiewende, Medienwandel, und ewig schon kein Regen. Da ist so ein sporadischer Soßenwechsel nicht das allergrößte Problem. Fand auch das Lottchen und verzichtete nach kurzer Lageprüfung auf eine erneute Soßenintervention.

Ihr Brüderchen meinte nun aber, so könne das Thema nicht im Raum stehen bleiben. Mit der ganzen philosophischen Wucht seiner immerhin knapp 60monatigen Lebenserfahrung hob er den Soßenstreit problemlos in die mindestens dritte Meta-Ebene des Lebens und rettete seine soßengekränkte Schwester mit sechs harten, aber wahren Worten vor dem sicheren seelischen Abgrund:

„Ooch! Ich hätte jetzt sooo gerne Tomatensoße zu den Nudeln.“
„Tja. [Kunstpause] Die Welt kann nicht alles haben.“

Stefan Malzew und der Herr Abramo…

Es kann nur spekuliert werden, welche Assoziationspirouetten sich im Kopf von Stefan Malzew abgespielt haben. Als der Generalmusikdirektor der Neubrandenburger Philharmonie am Sonnabend beim Benefizkonzert des Polizeipräsidiums Neubrandenburg dessen Präsidenten direkt ansprach, geriet dem Virtuosen die Name-Person-Zuordnung äußerst kunstvoll durcheinander.

Und weil es nach der Vorrede ein sehr amüsanter Abend wurde und ich nun das Intro eines abgefuckten House-Compilation-Tapes dem Genossen Mussorgski und seiner Nacht auf dem kahlen Berge zuordnen kann und Stefan Malzew sich am nächsten Tag vielleicht kurz gefragt hat, warum der Polizeipräsident ihn da mal leicht irritiert angesehen hat; deshalb hier nun also ein kleiner Service:

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch ist ein russischer Oligarch und mit einem Vermögen von geschätzt 23,5 US-Dollar einer der reichsten Männer der Welt. Er besitzt den Fußballclub FC Chelsea, die längste Yacht der Welt und den weltweit größten VIP-Jet.

Knut Abramowski ist Präsident des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, vierfacher Familienvater und gebürtiger Schleswig-Holsteiner. Er schützte 2008 mit der Polizeitruppe „Kavala“ den G8-Gipfel in Heiligendamm, mag Rotwein und wollte wohl mal Pastor werden.

Nicht lustig

Fein ist, dass Joscha Sauer nicht lustige Cartoons macht und diese ins Internet stellt. Einfach so. Es gibt Menschen, die trotzdem alle Bücher haben, einfach weil die total nicht lustig sind. Gar nicht so dumm, der Joscha Sauer. Und jetzt bietet er sogar allen die Möglichkeit, seine nicht lustigen Cartoons in Blogs oder anderen Webseiten einzubinden, einfach so, für umsonst.

Und warum?

Ich hoffe, dass die Cartoons dadurch an ganz neuen Orten im Internet auftauchen und Leute erreichen, die NICHTLUSTIG noch gar nicht kennen.

So simpel kann das sein. Und wer ganz viele Cartoons ohne viel Klickerei und Sucherei und Bildschirmstiererei haben will, kauft sich das Buch.

(Mit dem Klick auf <> im iframe könnt ihr den Code für diesen Cartoon übrigens auch von hier aus mitnehmen.)

In der Natur der Sache

Schön grün ist es hier. Stattliche Bäume verwandeln die kleine Straße in eine kleine Allee. In den Vorgärten sprießen die Pflanzereien vergnügt um die Wette. Der Gärtner von nebenan macht einen tollen Job, aus seinem Rasen trieft das saftige Grün. Und diese Woche blühen die Rhododendren.

Schön lebendig ist es hier. Katzen schleichen um den Block und tragen träge ihre katzentypischen „Wenn wir nur wollten, wären wir hier die Chefs“-Blicke spazieren. Morgens und abends werden ein paar Hunde um den Block geleitet. Legionen von Ameisen untergraben fleißig die Autorität massiver Pflastesteindecken. Und ewig gurrt der Kauz.

Doch das allerschönste, was in der Gegend zu hören ist, ist: Zwitschern. Eines Morgens klang das Vogelkonzert besonders prächtig. Auch der allerletzte Faulspatz hatte den endgültigen Jahreszeitenswitch offenbar mitbekommen und legte sich pavarottiesk ins Zeug. Von Amsel bis Zaunkönig – sie tirilierten alle. Es war ein Fest für die Ohren.

Und wie jeder gute Chor hatte auch dieser einen sehr guten Solisten. Ein kräftiger Heldenbariton übertönte von Zeit zu Zeit das Hintergrundgezwitscher, und es ward eine gar liebliche Melodei. Virtuos vollführte der Vogel – und fragt nicht nach Sorte, zwei Beine, Körper, Schnabel; ein Vogel halt – wahre Stimmpurzelbäume, seine Flötenkaskaden waren atemberaubend, seine Lautstärke dabei nicht minder, er gab alles; und ginge es nicht um einen tanzenden Schwan, sondern um einen singenden Vogel – statt Natalie Portman hätte er den Oscar bekommen.

Es kam nun das liebreizende Töchterlein aus ihrem Gemache. Sie schwebte entrückt gen Küchentisch, schraubte ihren schwärmerischen Blick zeitlupig in Richtung Himmel und verkündete mit belegter Stimme, sie habe noch nie SO EIN WUNDERVOLLES! Vogelgezwitscher gehört.

Nicht.

In Wahrheit schlurfte sie missmutig herbei und maulte verschlafen:

Hört ihr das auch? Dieses doofe Piepsdings? Das. Hat. MICH. HEUTE! AUF!GE!!WECKT!!!

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