Techniktagebuch aus dem Jahr 1999: Der Kassettenadapter

Dieser Text entstand vor allem für das großartige Techniktagebuch. Dort schreiben viele Menschen, die sich ab und an über das ganze Gedöns mit Knöpfchen, Reglern und Schaltern wundern, alles auf, was im Moment vielleicht langweilig sein mag. „Aber in zwanzig Jahren …“
Gut, dass es das gibt.
(Und der Text geht da ein bisschen anders.)

Wenn ich meine Kinder erstaunen möchte, was mit ihrem (und meinem) Alter zunehmend schwieriger wird, hole ich ein Technik-Ding aus einer Kiste von Technik-Dingen, die ich eigentlich mal wegschmeißen müsste. Neulich war es dieser Kassettenadapter:

Kassettenadapter

Papa, was ist das? Sieht aus wie eine Kassette (ja, habe ich ihnen schon beigebracht, gezeigt und vorgeführt), hat aber noch ein Kabel nebst Stecker dran. Wozu?

Weil, liebe Kinder, früher die Autos Kassettenabspielgeräte statt eines Bluetooth-Sensors oder USB-Eingangs hatten. Und in der Zeit, wo dann die CDs modern wurden, die Autos aber noch keine CD-Player besaßen, war dies die goldene Lösung. Man musste einen tragbaren CD-Spieler kaufen, diesen mit dem Kabel des Kassettenadapters verbinden und jenen ins Kassettenfach des Autoradios stecken. Dann konnte man auch ohne CD-Spieler im Auto eine CD hören.

Es sei denn Kopfsteinpflaster.

Oder Akku aus.

Ach …

Fieser Tempo-60-Blitzer auf der Berliner Stadtautobahn

Aus aktuellem Anlass hier mal eine kleine Warnung für alle, die nur selten auf der Berliner Stadtautobahn A100 fahren: Seit einem Jahr gibt es dort in Richtung Hamburg eine Tempo-60-Zone (in etwa hier), die gerade nachts alles andere als gut gekennzeichnet ist und mit einem fest installierten Blitzer endet. Warum das so ist? Weil da ’ne Brücke bröckelt. Aber vielleicht könnense die ja mal heilemachen, wenn diese Sache mit dem Flughafen durch ist.

Unterwegs mal schnell eine Adresse suchen, 1983er-Version

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Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Benzin in den Achtzigern draufgegangen ist, weil Vergessliche mit einem großen Freundeskreis permanent kiloweise Telefonbücher durch die Gegend gefahren haben. Na gut, irgendwann sind wir soweit und chauffieren dann eben kiloweise Medienserver mit unseren nachhaltigen Hybridkarren. Alles fließt.

Aus: „Reißverschluß & Rotweinfleck. 999 neue praktische und ungewöhnliche Haushaltstips“, Mary Ellen, Delphin Verlag, München, Zürich, 1983.

Der Langer-Song

Es ist abends, kurz vor dem Schlafengehen. Vater bittet um einen Cognac und uns ins Kaminzimmer. Er will uns von einem Lied erzählen, ein Lied über unsere Familie, das ihm einst sein Vater eines Abends am Lagerfeuer nahebrachte. Vater findet, wir sind nun bereit, es unsererseits kennenzulernen.

So hätte das wohl vor einem Jahrhundert funktioniert. Heute stöbere ich in Papsens Youtube-Kanal und stoße in der Liste der von ihm gemochten Videos auf den Langer-Song:

Nun ja, der Langer-Song ist wahrlich kein sonderlich schmückendes Lied. Denn Langer ist hier ein Slang-Begriff der zweitgrößten irischen Stadt Cork. Es geht um Typen, die grob sind, fies, prollig, arrogant und in einer Strophe sogar mit George Bush verglichen werden.

Witzigerweise fahren typische Langers demnach aufgemotzte Honda Civics mit Pelzwürfeln am Rückspiegel und laut aufgedrehter Rockmusik. Und was soll ich sagen: Meine Mutter fährt seit der Wende keine anderes Auto als justament den Honda Civic. Ich selbst durfte den von ihr abgelegten grauen und äußerst fahrspaßigen Civic der vierten Generation einige Jahre lang auf dem Weg zum Schrottplatz begleiten. Und Paps himself lenkt einen modern Hybrid-Civic.

Vielleicht sind wir dann wohl doch richtige Langers.

Rein musikalisch ist es ein sehr mitsingfreundliches Stückchen irischer Musik. Ein paar Akkorde, null Variationen, fertig. Aber Vorsicht: Hat man ihn zweieinhalb Mal gehört, bekommt man den Langer-Song den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf.

Wen übrigens die ganzen Original-Instrumente in dem Song irritieren, bitte schön, der Künstler mit dem hübschen Namen „MegaJDOG1995“ hat mit seiner Discount-Maschine einen House-Remix produziert. Und das obligatorische „sensibler junger Mann allein mit seiner Gitarre“-Cover gibt’s natürlich auch.

Ich stelle mir das dann künftig in etwa so vor, dass mein Papa auf der Familienfeier zu fortgeschrittenem Zeitpunkt sich erhebt. Mit wehmütiger Miene und einem Bier in der Hand beginnt er, wenn denn endlich Ruhe herrscht, a capella den Langer-Song zu intonieren. Und beim Refrain stimmen alle mit ein. Ungefähr so, wie in diesem Video.

Und damit auch alle Langers textsicher genug sind, hier der originale Text:

The Langer

Have you seen the old man
The drunken ould lout
Roaring and bawling and spilling his stout?
And in everyone’s business
You’ll first see his snout
Down in Cork he’d be known as a langer

Chorus:
A langer (Response: A langer)
In Cork he’d be known as a langer

And our hero Roy Keane
Footballer supreme
The finest this country and Man U’s ever seen.
And we’d have won the World Cup
But Mick McCarthy fouled up.
Roy was dead right to call him a langer!

Chorus

And Johnny and Mick
Have a Honda Civic
With spotlamps and spiders
And loud rock music
Ah, but don’t they look nice
With the big furry dice?
Would they ever stop acting the langer?

Chorus:
A langer (Response: A langer)
Would they ever stop acting the langer?

Die nächste Strophe ist komplett in irischem Gälisch (Übersetzung ganz unten):

Féach an phleice amach romhainn,
ag bladairt trína thóin
Níl gaelinn ag éine,
dár leis, ach é féin
Tá aige fomhraíocht sár-bhinn,
‘s gramadach fíor chrinn,
I gCorcaigh, gan dabht, sé an langer! 1

Curfa:
An langer! An langer!
I gCorcaigh, gan dabht, sé an langer!

From Mitchelstown to Cape Clear
You’ll be welcome down here
For there’s plenty of scenery, music, and beer
But avoid the rugby weekend in Kinsale
For every year with out fail
The town gets infested with langers

Chorus:
A langer (Response: A langer)
The whole town’s infested with langers

In two thousand and five
Culture will thrive
All along the green banks of the Lee (Shouted: Oh, good man, George!)
But no matter what
If you arrive on a yacht
We’ll tolerate absolutely nobody acting the langer
(Shouted: Certainly not in Crosshaven!)

Chorus:
A langer (Response: A langer)
There’ll be nobody acting the langer

George Bush and his boys
Ah, did make your blood boil.
Will they give the Iraqi people back their soil?
Ah, and all of us know
All he wants is their oil.
Oh Lord, he’s a ferocious langer!

Chorus:
A langer (Response: A langer)
Oh Lord, he’s a ferocious langer!

So three cheers for Roy Keane
He’s back wearing the green.
Ah, what more could you ask him to do?
So forget all the press
And the whole bloody mess
They’re only a big shower o’ langers.

Chorus:
A langer (Response: A langer)
They’re only a big shower of langers.

So there was me song
I didn’t keep ye too long
For now ye all know one word of Cork slang
And while there’s meat on me bones
I hope I’ll never be known
As a typical home-grown Cork langer

Übersetzung der irisch-gälischen Strophe:
Look at the messer in front of us,
talking through his ass
Nobody can speak irish,
in his opnion, but himself,
He’s got perfect pronounciation,
and perfectly accurate grammar,
In Cork, without a doubt, he’s a langer.

Pizzaboten sollten nicht auf Gehwegen rasen

Und dann warte ich auf den Tag, an dem die Heimatzeitung vermeldet, dass es in Neubrandenburg einen schlimmen Unfall gegeben hat, weil einer dieser flinken Pizzaboten mit seinem flinken Pizzabotenauto über die Freifläche zwischen Zigarre, Löwenvilla und Kinokomplex gerast ist und aus Versehen – natürlich aus Versehen – jemanden angefahren hat, der sich erdreistet hatte, dort – auf einem reinen Gehweg – entlanggehen zu wollen. Wenn das mal passiert, und ich hoffe, es wird nie passieren, dann werden wir Joey’s Call a Pizza boykottieren. Das trifft den Laden zwar nicht wirklich, auf unsere spärlichen Umsätze wird man dort gerade noch so verzichten können.

Aber trotzdem.

Früher waren die Oldtimer irgendwie älter

„Oh, kuckma Papa, da hinten steht ein Oldtimer!“

Häh? Nun, auf eine gewisse Entfernung habe ich ohne Brille schon mal besser sehen können, aber … da waren keine Oldtimer. Da waren parkende Autos am Straßenrand. Aber keine Oldtimer.

„Da ist kein Oldtimer, mein Junge.“

Vielleicht hat er den Begriff nur falsch verwendet. Sowas kann ja vorkommen, er ist gerade fünf geworden, da sind eben noch nicht alle Assoziationen korrekt verknüppert. Ich überlegte überlegen, wie ich „Oldtimer“ einem Fünfjährigen am treffsichersten definieren könnte. Doch er plapperte dazwischen:

„Doch, Papa, da ist ein Oldtimer. Da vorne!“

Langsam wurde ich ein wenig ungehalten. Er sah einen Oldtimer, den ich nicht sah. Hatte er so einen langen Kindergartentag gehabt? Wollte er mich veralbern? Ist das ein brandneuer Kumpel-Insider? Papas mit Absicht imaginäre Oldtimer vorgaukeln? Na warte!

„Jetzt ist aber gut. DA STEHT KEIN …“
„Der weiße da!“

(Ups.)

Trabant in Wittenberg

P.S.
„Papa, wie heißt das Auto eigentlich? Das habe ich ja noch NIE gesehen!“

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