Karow, Parchtitz, Neddemin – Weihnachtshäuser in MV

Gerade mal zwei festlich erleuchtete Häuser am Plauer See und auf Rügen bietet die Seite weihnachts-lichter.de für Mecklenburg-Vorpommern auf. Für das laut Eigenwerbung „größte deutschsprachige Weihnachtshäuser-Portal“ ein bisschen dürftig, finde ich, fährt man doch gefühlt in jedem siebten Ort an einem dieser übermäßig lichtdekorierten Buntburgen vorbei. Natürlich fehlt zum Beispiel auch das Neddeminer Weihnachtshaus, das per Bild hier zu bewundern ist und vor einigen Jahren auch schon im Fernsehen war:

Und überhaupt sollte man die Show denen überlassen, die es können. So widme ich abschließend Heinrich und allen anderen Star-Wars-Fans noch diese häusliche Ungeheuerlichkeit:

Google-Autovervollständigungen zu Städten in MV: happy, schön und tot

Bin gestern über einen Artikel der Berliner Zeitung gestolpert, in dem jedem Stadtbezirk der jeweils erste Begriff bei der Google-Autovervollständigung (kann dafür bitte jemand einmal ein neues Wort erfinden?!) zugeordnet wurde. Habe das ganze dann spaßeshalber mal mit Städten in Mecklenburg-Vorpommern exerziert.

Wappen_RostockRostock ist …
… ’ne schöne Stadt
… überall
… hässlich

Wappen_SchwerinSchwerin ist …
… die Hauptstadt von
… happy
… tot

Wappen_NeubrandenburgNeubrandenburg ist …
… happy
… schön
… was ist los

Wappen_StralsundStralsund ist …
… eine Insel
… eine Hansestadt
… schön

Wappen_GreifswaldGreifswald ist …
… langweilig
… alle
… schön

Wappen_WismarWismar ist …
… schön
… eine Hansestadt
… was ist los

Ich kaufe ein „Hihi!“ und möchte dann lösen: Rostock ist ’ne schöne Stadt, Schwerin ist die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, Stralsund ist keine Insel, Greifswald ist mitnichten alle und Wismar definitiv eine Hansestadt.

Zu den nächstgrößeren Städtchen in MV, Güstrow, Waren, Neustrelitz und Parchim, fällt Google lediglich noch die für Außenstehende wahrscheinlich naheliegende Frage „Wo ist das?“ ein, und das wars dann auch schon mit der Autocomplete-Herrlichkeit.

Auch noch sehr schön: Fragt man via Google die größeren Städte in Mecklenburg-Vorpommern mit „Gibt es in xy …“ ab, schlägt die Suchmaschine jedes Mal dieselben drei Begriffe vor: „Flughafen“ sowie die zeitgenössischen Textilmanufakturen „Primark“ und „Hollister“.

Da bleibt anschließend nur noch zu beherzigen, was Google selbst der Autovervollständigungs-Funktion so schön halbphilosophisch mit auf den Weg gibt: „Wie das Web selbst wirken die angezeigten Suchbegriffe daher unter Umständen merkwürdig oder verwunderlich.“

Liebesschlösser auf der Heringsdorfer Seebrücke – und wo noch?

Liebesschlösser auf Usedom

Im Urlaub habe ich jetzt zum ersten Mal Liebesschlösser in Mecklenburg-Vorpommern gesehen. Ein ganzes Geländer der Seebrücke in Heringsdorf hing voll mit Exemplaren dieses zeitgenössischen Liebesbrauchs, wenn auch noch nicht ganz so dicht wie bei den großen Vorbildern in Italien, Serbien, Ungarn oder Köln.

Mittlerweile lebt die Vorhängeschloss- und Gravurbranche nicht schlecht von dem Brauch. Selbst Schlösser mit Zahlenkombination für die Polygamisten und nicht ganz so Entschlossenen werden gern genutzt.

Auch in Ueckermünde wurden schon Liebesschlösser gesichtet, kurz bevor das hiesige Wasser- und Schifffahrtsamt sie wegen profaner Malerarbeiten in den Altmetallcontainer geschmissen hat. Selbst in Prenzlau beginnen verknallte Uckermärker damit, schnöde Fußgängerbrücken mit den Schlössern zu dekorieren.

Für Neubrandenburg – und in fünf bis zehn Jahren dürfte der Trend dann wohl hier angekommen sein – böte sich im Übrigen die Oberbachbrücke für etwaige Vorhängeschlossaktivitäten an. Mit erhöhtem Blick auf den Tollensesee sich die Liebe mit einem gravierten Schlösschen zu beweisen – hört sich doch gar nicht mal so unromantisch an.

Vielleicht aber hängen in Neubrandenburg und Meckpomm schon Myriarden von Liebesschlössern, und ich bin bislang nur auf den falschen Brücken gewesen? Wenn dem so ist: Bilder, oder ich glaub’ es nicht!

Aufgelesenes vom Winter 2012/13

Aus Gründen hebe ich mir einige Lesezeichen auf. Man weiß ja nie, wozu man die noch mal brauchen könnte.

Gendarmenpistolen aus Hamburg

Sehr geehrter Herr Ruwoldt,

Sie waren so nett, sich im Ost-Blog von Zeit Online in dem Text Räuberpistolen aus Neubrandenburg mit dem Nordkurier zu beschäftigen. Leider scheinen nach Ihrer Lektüre noch einige Fragen offen geblieben zu sein. Als Nordkurier-Redakteur möchte ich Ihnen deshalb an dieser Stelle versuchen, einige Antworten zu geben.

Was soll so eine Story, immerhin der Blatt-Aufmacher unter dem großen Schwippbogen-Foto zum 1. Advent?

Sie beziehen sich dabei auf den Text „Immer mehr Senioren in MV werden kriminell„, der in der vergangenen Wochenendausgabe die Zeitung eröffnete. Nun, wie Sie vielleicht wissen, ist MV nicht gerade der Jungbrunnen der Nation, und die Nordkurier-Leser unter den Meckpommern sind dann nochmal ein Stückchen älter. Wenn eine relevante Zielgruppe der Zeitung also laut offizieller Statistik (Quelle: LKA MV, pdf)zunehmend in der Kriminalstatistik auftaucht, dann ist das per se ein Aufmacherthema.

Aber es ging Ihnen vornehmlich wohl auch nicht um das was, sondern vielmehr um das wie:

Ja, Renter, die etwas anderes machen als Kaffee trinken, taugen immer für eine Schlagzeile. Aber so? Warum spendiert uns der Nordkurier nicht die Zusammenhänge, die Zahlen von der Altersarmut, von den sinkenden Renten, von der fehlenden weil unterfinanzierten sozialen Betreuung?

Ja, auch wenn Sie es etwas überspitzen: Menschen, die etwas anderes tun, als man Ihnen gemeinhin zusprechen würde, sind interessant und also auch ein potenzielles Thema für eine Zeitung. Das gilt für die Zeit wie für den Nordkurier.

„Aber so?“ Ja, so. Ohne den Text selbst geschrieben und redigiert zu haben vermute ich, dass die Ihnen fehlenden Zusammenhänge und Zahlen nicht in dem Text auftauchen, weil der Platz für den Aufmacher auf der Titelseite nunmal begrenzt ist und weil bei einer weiteren Themenauffächerung der eigentliche Nachrichtenkern nicht so herausgearbeitet hätte werden können: Anteilig mehr Rentner kriminell, ist aber zu großen Teilen auch ein statistisches Problem.

Nicht ausblenden möchte ich allerdings einen weiteren potenziellen Hintergrund: Ministerzitate und Expertenbefragung sind im Zweifel schneller zu beschaffen, als das Thema selbst noch mal aufwendig durchzurecherchieren. Wäre dies der Fall gewesen, wäre aus dem Sujet vermutlich aber auch eine eigene Seite drei geworden.

Bevor das Blatt in seiner Wochenendaufmachungsstory allerdings für Aufklärung sorgt, kann es sich natürlich nicht verkneifen, das Boulevard-Vokabular aus der Kiste zu holen und führt seinen Bericht mit dem Satz ein: “Hilfe, Oma und Opa klauen! … Altersgerechte Zellen sind in der Sicherungsverwahrung bereits eingeplant.” Man denkt zunächst, dass einen der Nordkurier hier in den April schicken will, dann aber kommt noch ein Experte zu Wort (…)

Ja, über den Print-Vorspann kann man streiten. Einige Leser haben dies übrigens auch schon mit Verve getan. Hier vielleicht nur als kleiner Hintergrund der Hinweis, dass der Nordkurier gerade den Readerscan hinter sich hat. Warum Sie sich aber im April wähnen, kann ich nicht nachvollziehen. Wegen der Rentner-Zellen? Die werden in den beiden letzten Absätzen, die Sie ja bestimmt auch gelesen haben, von der Justizministerin in Erwägung gezogen.

Und was den Experten betrifft: Den trifft man zwangsläufig in allen Medien.

Die Karikatur von den kleptomanischen Großeltern soll offenbar die Leser locken.

Das haben Sie sehr gut erkannt. Wir möchten gelesen werden. Ob ein boulevardesker Satz im Vorspann gleich als Karikatur gelten muss, würde ich bestreiten wollen. Ob so ein Thema so präsentiert werden muss, ist diskutabel. Ob dieser Text einen Anlass für eine Werkskritik gerade im Ost-Blog von Zeit Online bietet, das kann ich nicht beurteilen; skeptisch bin ich allemal: Ich vermute, auch in westdeutschen Regionalzeitungen werden solche Aufmacher geschrieben und gelesen.

Herr Ruwoldt, ich finde es gut, dass Sie über den Osten bloggen. Besser fände ich es noch, wenn Sie dabei Ihren Blog-Slogan „Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.“ nicht allzu wörtlich nehmen.

Und Schwibbogen kommt nicht von beschwipst.

Woannärs is dat auch scheiße (Rmx)

Dieser Beitrag ist gar nicht von mir, zumindest größtenteils nicht, sondern von Lukas Heinser, der das Bildblog befüllt und in seinem Blog „Coffee and TV“ ein Buch über das Ruhrgebiet rezensiert hat. Das hat mich dann sehr an die Gegend und die Menschen rechts oben erinnert.

rapsodie

Wenn ich Menschen aus dem Ausland erklären sollte, wo ich herkomme, (was ich eher selten tue, es sei denn, man bezeichnete in Westdeutschland Sozialisierte mit Ausländern, was ich nicht gutheiße) höre ich mich immer noch viel zu oft mit “near Berlin” antworten. Bei den meisten Amerikanern kann man ja froh sein, wenn sie wissen, zu welchem Land Berlin die Hauptstadt denn ist. Briten hingegen kennen, so sie denn minimal fußballinteressiert sind, natürlich Hansa, manche wissen auch um die rauromantische Schönheit der Ostsee. Neubrandenburg allerdings ist eher was für Leute, die im Erdkundeunterricht gut aufgepasst haben, aber so würden eh nur die Wenigsten über ihre Heimat sprechen.

Das Verhältnis der „MeckPommis” zu Mecklenburg-Vorpommern ist ein zutiefst ambivalentes: Eine unheilvolle Mischung aus Lokalpatriotismus und Selbstverachtung, aus Stolz und Skepsis, Traditionsbewusstsein und Wurzellosigkeit führt dazu, dass sich rund um die größten Landkreise Deutschlands niemand zuhause fühlt. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht erst ganz langsam, Jahre nach der Wende und auch recht widerwillig.

Dieser Beitrag ist geprägt von der so typischen Hassliebe der Mecklenburg-Vorpommern zu ihrer Heimat, zusammengefasst im Ausspruch „Und, wohin bist du nach der Schule geflüchtet?”. Menschen, die sich gottweißwas darauf einbilden, aus einem bestimmten Bundesland zu stammen oder dort wenigstens „angekommen“ zu sein, findet man vielleicht in Hessen, Bayern oder Sachsen, aber nicht in Mecklenburg-Vorpommern. Wir sind nur froh, wenn man uns nicht mit Dingen wie einer „Kulturszene“ behelligt, und packen alle Möchtegern-Aussteiger mit Zwölftagebart, überhaupt keinem Haarschnitt und Dederonbeutel in den nächsten ICE nach Berlin. Hier bitte keine Menschen, hier bitte überhaupt nichts, Danke!

Und während ich darüber nachdenke, dass die Menschen in Liverpool, Detroit oder New Jersey irgendwie sehr viel mehr für ihren Stolz berühmt sind und dann teilweise auch noch Bruce Springsteen haben, fällt mir auf, dass ich zumindest selbst natürlich wahnsinnig stolz bin auf diese Gegend. Ja, das, was an unseren Städten mal schön war, ist seit Weltkrieg überwiegend weg, seit der Wende langsam aber wieder da; doch wir haben wahnsinnig viel Grün, zwei halbe Städte, ein schönes Umland und ein Bier. Genau genommen isses hier gar nicht scheiße, sondern eigentlich nur woanders.

Und selbst wenn wir Meckpommis innerlich ziemlich zerrissene Charaktere sind, die in ihren hässlichen Kleinstädten unterschiedlicher Größe stehen und gucken, wie aus den Ruinen unserer roten Vergangenheit irgendetwas neues entsteht: Es tut gut zu sehen, dass wir dabei nicht alleine sind. Willkommen in MV!

Wahlempfehlung

Wahllokal 2009In Mecklenburg-Vorpommern sind demnächst Landtagswahlen. Auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier sahen wir aus dem Auto heraus zwei schmerbäuchige Dorfpolitiker, die an einem Laternenmast ihre Plakate sorgsam verschnürten. Es entspann sich folgender Dialog:

Luise: Was machen die Männer da?
Papa: Die hängen Wahlplakate auf.
Luise: Warum denn?
Papa: Sie wollen gewählt werden. Das sind Politiker, die wollen entscheiden dürfen, und darum müssen sie darum werben, von den Menschen zum Entscheider gewählt zu werden.
Luise: Also ich wüsste ja, wen ich wählen würde.
Papa: Ach ja? Wen denn?
Luise: Na diese Politiker-Frau mit den langen blonden Haaren. Die sieht nett aus.
Papa: Aha.
Luise: Ja, die habe ich schon mal im Fernsehen gesehen.
Papa: Soso. Wie heißt die denn?
Luise: (überlegt) Manuela …
Papa: … ja …
Luise: … Manuela … jetzt weiß ich’s: Manuela Schwierig.