Die Spaßbad-Chroniken VII – Der Epilog

„Spaßbad“ ist ja auch so ein Begriff …
… und das geschah bisher: Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI

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Jonas Ginter via Flickr unter CC-Lizenz by-nc-sa

Warum eine sechsteilige Serie über Spaßbäder? Tja. Warum nicht? Ich habe gefühlt in einem halben Hundert Bädern gespaßt, in echt waren es bestimmt dreißig Besuche in zehn Bädern. Da kommt dann einiges zusammen an Spaß-Erfahrungen, die ich gerne mit anderen Betroffenen teilen möchte.

Den vergangenen Winterurlaub haben wir in Sichtweite einer Therme verbracht, und es war sehr schön. Nicht nur, dass die Kinder jetzt schwimmen können und nicht mehr stundenlang mit erstaunlicher Klammerkraft an den Oberkörpern der Eltern ausharren. Auch die Sauna nebenan und die vergleichsweise geringe Zahl der gleichzeitig Spaßbadenden trug zum größtenteils vergnüglichen Badeurlaub im Februar bei.

Demnächst wird die Zeit kommen, wo sie uns nicht mehr zum Baden mitnehmen oder gleich andere Freizeitmöglichkeiten entdecken werden. Und wenn alles richtig gut läuft, werden sie irgendwann das Bade- und Schwimmvergnügen in beheizten und überdachten Hallen vollends verschmähen und die – wenn auch nicht ganzjährige – Großartigkeit der besten Plantschdestination aller Zeiten hier gleich umme Ecke zu schätzen wissen.

Denn das beste Spaßbad ist immer noch das Meer.

Die Spaßbad-Chroniken VI – Der Ausmarsch

„Spaßbad“ ist ja auch so ein Begriff …
… und das geschah bisher: Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V

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Spaßbad

Foto: mity! via Flickr unter CC-Lizenz by-nc-nd

Eins der Probleme mit Spaßbädern ist ja, dass man tatsächlich Spaß hat. Es ist schön warm, man darf mit seinen Kindern spielen, man darf wie eines der Kinder spielen. Alle bewegen sich, das ist gesund. In der Sauna sitzen alle still, aber das ist wohl auch gesund. Deaktivierte Muskelgruppen werden nach langer Zeit wieder einmal bewegt, man staunt ja immer wieder aufs Neue, was der Körper in dieser Hinsicht alles an biologischem Werkzeug parat hat.

Nur ist nun auch der Fun-Ausgehungertste irgendwann mal spaßmüde. Mit großer Sicherheit beginnt diese Phase der emotionalen Erschöpfung genau dann, wenn die Abschlussdusche urplötzlich und ungefragt von herrlichstwarm auf Schockfrost wechselt. Natürlich müssen auch Spaßbäder Energie sparen, aber gibt es denn da keine Alternativen? Was stattdessen passiert: Nach der Körperabkühlung um zehn Grad in zehn Sekunden geht die Dusche ganz aus. Und nein, Shampoo-Rückstände kann man eben nicht einfach so rausrubbeln.

Die Stimmung steigt weiter, wenn die Spindschlüssel nur nach längeren Taschentiefenrecherchen wieder den Weg zurück ans Spindschloss finden. Dieses Vorgehen spart dann aber das weitere Abtrocknen, die muffige Umkleideluft hat ihre Arbeit längst getan. Und wenn schließlich die Wäschesortierung abgeschlossen ist, darf sich angezogen werden.

Aber nicht zu schnell, das ist ganz wichtig. Zieht mann sich zu schnell an, ist die Gefahr groß, im nach wie vor gut geheizten Spaßbadfoyer in voller Wintermontur seinen Körper die Illusion eines weiteren Saunaganges zu vermitteln. Denn einige Rudelmitglieder nehmen sich gerne Zeit für ihre Garderobe, die Haare müssen anschließend mindestens schranktrocken geföhnt werden, und für ein bisschen Schnack mittenmang ist sowieso immer Zeit.

Dehydriert, durchgeschwitzt und komplett spaßbefreit verlässt er das Gebäude. Und denkt: ‚“Spaßbad“ ist ja auch nur so ein Begriff …‘

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Es folgt ein Epilog.

Die Spaßbad-Chroniken V – Die Gastronomie

„Spaßbad“ ist ja auch so ein Begriff …
… und das geschah bisher: Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV

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Foto: Götz A. Primke via Flickr unter CC-Lizenz by-sa

Auf Dauer ist so ein Spaßbad anstrengend. Und das wissen die listigen Spaßbadbetreiber nur zu genau. Was liegt also näher, als die derart vorgeschwächten Spaßbader mit einem praktischen Imbiss gleich an Ort und Stelle an die Glutamattröge zu locken? Ein paar Pommes hier, ein Schnitzelchen da, ein Backfisch dazu, na, Appetit bekommen?

Ein Anfängerfehler! Halbnackt und in nächster Sichtweite etlicher anderer Halbnackter überteuertes und lauwarmes Industriefutter zu verdrücken ist nichts, womit ein Mensch irgendwann mal vor irgendwem mal noch prahlen kann. Allein die Bequemlichkeit ist es, die die Massen an die Mampfinseln holt. Und da eine extra dafür ausgebildete GSG-9-Einheit am Eingang alle ess- und trinkbaren Gegenstände konfisziert hat, bleibt für die des professionellen Lebensmittel-Schmuggelns Unkundigen nur der Gang zum Spaßbad-Imbiss.

So legt sich zur Mittagszeit ein filigraner Film aus Frittenfett über die Szenerie. Gegen eins verstopfen erste Kartoffelspalten die Whirlpooldüsen, gegen zwei ist man trotz größter Vorsicht dann doch in die ausgeplemperte Fanta gestapft, und spätestens um drei heißt es unten an der Rutschen-Kinderabholstelle nur noch „Kind, Kind, Kind, Currywurststückchen, Kind, Kind, Kind, Currywurststückchen, Kind, …“

Guten Appetit!

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Es folgt eine Fortsetzung.

Die Spaßbad-Chroniken IV – Die Schikanen

„Spaßbad“ ist ja auch so ein Begriff …
… und das geschah bisher: Teil I, Teil II, Teil III

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Therme Loipersdorf Thermenlagune

Foto: Therme Loipersdorf via Flickr unter CC-Lizenz by

Mittlerweile haben sich dann auch alle Familienmitglieder aus den Augen verloren. Sie werden schon nach einer Viertelstunde mithilfe der äußerst dezibelstarken Hallenmikrofonanlage und der Bademeisterin mit der Katharina-Thalbach-Gedenkstimme wieder zusammengeführt. Ein Elternteil darf nun das Bespaßungsprogramm im Wasser starten, während der andere mit Feldstecher und Peilgerät den Beobachungsposten am Beckenrand bezieht.

Das Spaßhaben kann nun beginnen. Da Betreiber von Spaßbädern bei ihren Kunden vom Kleinsten Gemeinsamen Vielfachen ausgehen müssen, nehmen sie an, dass der gemeine Spaßbadnutzer keinerlei Ahnung davon hat, was mit dem Medium Wasser im Allgemeinen anzufangen sei. Deshalb schütten sie auch nicht einfach nur ein paar Tausend Liter in ein praktisches 25-mal-25-Meter-Becken mit gleichbleibender Schwimm-Tiefe, sondern bauen etliche Schikanen zur Erbauung der Spaßbadenden ein.

Großer Favorit hierbei ist die singuläre Unterwasserkraftdüse, die – durch einen Zufallsgenerator aktiviert – mit der physischen Strahlkraft von einigen Hundert Pferdestärken einen mehrfach gebündelten Wasserstrahl urplötzlich von einer geheimen Stelle am Beckenrand auf die unschuldig Dahinplantschenden schießen lässt. Da soll dem Zwecke der Körpermassage dienen, habe ich mir sagen lassen, löst aber bei derart Beschossenen regelmaßig heillose Aggressionsschübe aus.

Ähnliches gilt für die übermannsgroßen Power-Duschen, die den Ahnunglosen mit einem Mal von oben mit einem nur noch in Bruttoregistertonnen zu messenden Schwall begießen, auf dass Zartbesaitete ordentlich Mühe haben, sich gegen die Wassermassen auch wieder an die Luft zurückzukämpfen. Wer hingegen Dusche und Düse widersteht, wird nach fünf Minuten Massage feststellen müssen, dass die Haut auf die ungewohnten Reize gerne auch mal mit halbstündigen Juckattacken reagiert. Und mit leidendem Gesicht Dauerkratzende werden in keinem Spaßbad gern gesehen.

Ein Klassiker ist auch das sogenannte Strom-Rondell. In bestimmten Intervallen wird das Wasser in extra dafür oval zugeschnittenen Badbereichen derart in Wallung versetzt, dass alle dort Spaßbadenden, die nicht bei drei auf ihre Liegestühlen hopsen, unweigerlich minutenlang mit Dutzenden Schicksalsgenossen auf eine elliptische Umlaufbahn gezwungen werden, auf dass ihnen ganz schwindlig wird. Einfach damit aufhören können die armen Leute nicht, der Sog ist zu stark. Und es soll schon Fälle gegeben haben, wo Strom-Rondelle aus technischen Gründen nicht mehr deaktiviert und die Schwächsten am Ende nur noch mit Kampfhubschraubern aus dem tödlichen Strudel gerettet werden konnten.

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Es folgt eine Fortsetzung.

Die Spaßbad-Chroniken III – Die Rutsche

„Spaßbad“ ist ja auch so ein Begriff …
… und das geschah bisher: Teil I, Teil II.

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ThermeErding_0765

Foto: Götz A. Primke via Flickr unter CC-Lizenz by-sa

Bevor sich Weiblein und Männlein vor dem rituellen Duschen fein säuberlich trennen, bleibt ein kurzer Moment für ein erstes Zwischenfazit: Weil sämtliche Spaßbadräume wegen eines neuen EU-Rechts total überheizt sein müssen, sind alle potenziellen Badeteilnehmer bereits komplett durchgeschwitzt, bevor sie auch nur einen Fuß in den trüben Traum aus Chlor gesteckt haben. Das lustvolle Eintauchen ins erfrischende Nass werde sie allerdings auch nicht so schnell zelebrieren können. Denn vor dem Baden und Schwimmen hat der liebe Spaßbadgott das Rutschen geplant.

Dazu muss einer der von der lauwarmen Hygienedusche noch bibbernden Aufsichtsberechtigten mit den vor lauter Vorfreude dauerjuchzenden Kleinen lediglich sieben Mal sechzehn Stufen Richtung Start hinaufklettern. Am dortigen Ende der Warteschlange sind es dann nur noch drei Mal sechzehn Stufen bis zum eigentlichen Rutschvergnügen, es bleibt also genug Zeit zum Lufttrocknen und wasserspritzende-Pubertierende-böse-Ankucken.

Schließlich ist es soweit. Springt die Spaßbadrutschenampel auf grün, dann ist das wie Weihnachten und Ostern und Namenstag zusammen. Endlich ist es erlaubt, mit einem Kampfschrei in ein dunkles Loch zu hüpfen, auf dass einen die 70-Prozent-Neigung möglichst schnell auf etwa 80 Stundenkilometer beschleunigt, die es auch braucht, um den Zweifach-Looping absolvieren zu können.

Läuft alles gut, prallt ein komplett desorientierter Erwachsener nach 20 Sekunden Blindflug beim schwungvollen Eintauchen ins Landebecken nur mit seinem Kopf ans eigene Knie. Läuft es weniger gut, begräbt er dabei zwei Nichtschwimmerflitzpiepen unter sich, die sich nicht rechzeitig davon gemacht haben und deren Familienclanmitglieder mit entschlossenen Gesichtern diverse Fehdehandschühe und Visitenkarten befreundeter Winkeladvokaten ins Wasser rieseln lassen.

Läuft es dagegen richtig schlecht, erreicht der Erwachsene wegen komplett rutschuntauglicher Badelangshorts weder das Landebecken, noch die Höchst- oder wenigstens die Mindestrutschgeschwindigkeit. Stattdessen bremst er fatalerweise immer weiter ab und bleibt im etwas flacheren Mittelteil der Bahn dann komplett stecken. Zu seinem Glück wird er nur wenige Sekunden später von den 120 Kilogramm eines gewissen Hans-Peters durch die Tube gedrückt. Und die hervorragend gleichmäßig auf dem Rücken verstreuten Hämatome waren auch schon nach nur wenigen Wochen wieder weg.

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Es folgt eine Fortsetzung.

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