Zum Fischerhof, Neustrelitz: Nie wieder!

Die kurze Version: Wir waren jetzt zweimal im Neustrelitzer Bistro „Zum Fischerhof“ essen und können das beim besten Willen niemandem empfehlen.

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Seit einigen Jahren nutzen wir als fünfköpfige Familie das gastronomische Angebot der Region recht ausgiebig. Das Essen, die Atmosphäre und die Bedienung variieren, es gibt ein paar Favoriten und auch einige schlechte Erfahrungen, die wir im Laufe der Zeit gemacht haben. Hat eben jeder so seinen Geschmack. Aber was wir in diesen Sommerferien erlebt haben, ist eine gänzlich neue Ebene.

Ende Juli, Mittagszeit. Zusammen mit der Schwagerfamilie kommen wir aus der Seenplatte im Hafen von Neustrelitz an. Wir wollen im Bistro „Zum Fischerhof“ essen, Fisch, Draußensitzen direkt am See, eben etwas Unkompliziertes mit einem Dutzend Kinder nach einer Autofahrt. Es gibt keine Karte, bestellt wird am Tresen, gleich dahinter schmurgelt schon lecker Fisch in der Pfanne. Vier Erwachsene und fünf Kinder stehen dort und suchen sich ein Gericht und Getränke aus.

Dann bestellen wir. Das ist allerdings ein Problem. „Nicht so schnell! Erst das Essen, dann das Trinken. Das ist so viel, da komme ich doch sonst durcheinander!“ Dazu ein Ton, passend zu den Worten. Fast möchte man sich entschuldigen, hier Geld ausgeben zu wollen. Wir sitzen dann gut und essen gut – und kommen wieder.

Ende August, Mittagszeit. Zusammen mit der Schwagerfamilie kommen wir aus Neubrandenburg im Hafen von Neustrelitz an. Wir wollen im Bistro „Zum Fischerhof“ essen, Fisch, Draußensitzen direkt am See, eben etwas Unkompliziertes mit einem Dutzend Kinder nach einer Autofahrt. Es gibt keine Karte, bestellt wird am Tresen, gleich dahinter schmurgelt schon lecker Fisch in der Pfanne. Vier Erwachsene und fünf Kinder stehen dort und suchen sich ein Gericht und Getränke aus.

Dieses Mal sind wir schon vor dem Bestellen ein Problem. „NICHT SO LAUT! Ich nehme gerade eine Bestellung auf! Man versteht ja sein eigenes WORT NICHT MEHR!“ Was wir getan hatten: Wir hatten versucht, die Bestellung zwecks Vereinfachung vor dem eigentlichen Bestellvorgang schon vorzubündeln. Das erfordert Kommunikation in einer gewissen Lautstärke, weil allein die schmurgelnden Pfannen schon ordentlich laut sind.

Die anschließende Frage nach einem vielleicht etwas höflicheren Umgangston wird mit einem beleidigten „Sie brauchen mir doch hier keine Benimmregeln beibringen!“ quittiert, beim Bestellen kommen außerdem ein mittellang-genervtes Kopfschütteln sowie ein halbes Augenrollen zur Aufführung. Höhepunkt des Stücks ist der Ausruf „Sie sehen doch selbst, was hier los ist!“. Wir können uns ob des gut gefüllten Bistros mitfühlende Beileidsbekundungen gerade noch so verkneifen und sitzen dann gut und essen gut – und wollen gehen.

Doch es kommt zum Showdown am Fischerbistro. Fälschlicherweise nehmen wir nämlich unabsichtlich die leergetrunkenen Colaflaschen mit. Das bekommt eine Angestellte mit: Sie stellt Charlotte zur Rede, die zwar eine der Flaschen hält, aber nun wirklich keine Schuld trifft. „Kannst du denn das Schild nicht lesen? Tausend Mal am Tag müssen wir das sagen!“ Und das ist dann genau der Moment, in dem ein Fass überläuft.

Denn sowohl der Hinweis auf eine mögliche Änderung der vorherrschenden schilderbasierten Pfandpraxis aufgrund offensichtlich regelmäßiger Missverständnisse als auch die Beschwerden über die – und das ist jetzt wirklich sehr höflich formuliert – wiederholt äußerst ruppige Ansprache von zahlenden Gästen produziert nur weitere Beleidigungen. Kein Einlenken, kein Beruhigen, kein Einsehen, keine Entschuldigung. Stattdessen nur Stress und Schimpfe.

Der Fischerhof ist kein Sternerestaurant, ja, und ich bin auch nicht sonderlich zimperlich, wenn woanders mal ein etwas anderer Ton herrscht. Aber dreimal Mecker kriegen bei zwei Besuchen geht mir dann auch zu weit. Zumal das offenbar auch kein Zufall gewesen ist, wie eine Rezension bei Yelp zeigt:

Griesgrämige Bedienung und sehr lange Wartezeiten. Gäste werden regelmäßig angeschnauzt.

Denn gerade, wenn man mit Kindern unterwegs ist, lässt man sich nur sehr ungern so behandeln, wie man es in der Familie ja versucht eben nicht zu tun: Probleme lösen durch Anschnauzen.

14 Gedanken zu „Zum Fischerhof, Neustrelitz: Nie wieder!“

  1. Sehr geehrter Herr Langer,

    durch Zufall bin ich auf ihre Seite gestoßen und habe Ihren Bericht gelesen.
    Wir leben in einem Land, indem die Meinungsfreiheit verfassungsrechtlich geschützt ist. Gott sei Dank! Sie ist ein hohes Gut. Ihnen steht es selbstverständlich frei, sich zu äußern und ihre Meinung kund zu tun. Nur sollte sie sachlich und fair betrieben werden.
    Es ist immer leicht eine Sache einseitig darzustellen. Gerade im Zeitalter des Internets. Sie sollten ihre werten Leser, um der Objektivität willen, auch darüber informieren, wie sie sich tatsächlich in unserem Bistro aufgeführt haben.
    Es ist eine Frage des Anstandes, wenn ich eine gastronomische Einrichtung betrete, dass ich nicht rumschreie, sodass sich andere Gäste nachweislich bei der Bestellung ihres Essens belästigt gefühlt haben. Etc. Über die anderen Sachen möchte ich mich hier nicht weiter auslassen.
    Ihnen steht es frei zu kommunizieren, dass sie zu uns nicht mehr kommen wollen. Dies ist ihr gutes Recht. Ihnen möchten wir nur entgegenhalten, dass wir auf solche Gäste auch verzichten können.
    Wir wünschen Ihnen trotzdem alles Gute und hoffen, dass sie in Zukunft eine gastronomische Einrichtung finden werden, die ihren Ansprüchen und Verhaltensweisen entsprechen.
    Wir lassen uns nicht beirren und werden unseren Weg weitergehen. Der Erfolg und die Reaktion der übergroßen Mehrheit unserer Gäste geben uns Recht. Die übergroße Mehrheit unserer Gäste weiß den Wert unseres Bistros, die Lage, unser Angebot und unsere Arbeit zu schätzen und zu würdigen.

    Team
    Zum Fischerhof

    PS. Bitte entschuldigen Sie, dass wir ihre Seite benutzt haben. Es wird nicht wieder vorkommen. Ihnen steht es frei, unseren Kommentar auch zu löschen.

  2. In einigen gastronomischen Einrichtungen der Region war ich ja auch schon zu Besuch und habe darüber geschrieben. Aber eine Reaktion habe ich noch nie bekommen. *neidgrünanlauf*
    Wobei ich dabei aber auch schon einige Male offensichtlich auf die B-Mannschaft in der Küche gestoßen bin, da Restaurants, die eigentlich einen guten Ruf hatten und die ich auch selber schon gut erlebt habe, beim Bewertungsbesuch völlig versagten. Sowas darf nicht sein. Und ebenfalls darf nicht sein, dass der Service unhöflich mit den Gästen ist, auch wenn diese sich in dessen Augen fehlverhalten. Auch dafür gibt es höfliche Formen des Zusammenkommens.

  3. @DirkNB:
    Wobei der werte Herdnerd die Namen der von ihm besuchten Etablissements gerne ja im letzten Absatz hinter einen Link versteckt. Der muss mit Krawumms in die Überschrift!

    @Zum Fischerhof:
    Niemand stößt auf diese Seite durch Zufall. Dennoch vielen Dank, dass Sie mir auf meinem Blog erlauben, Ihren Kommentar zu löschen und meine Meinung zu äußern. Und bei einem Konflikt ist es im Übrigen meistens so, dass sich eine der Parteien einseitig äußert (wie Sie das ja auch tun), dass hat mit dem Internet herzlich wenig zu tun.

    Und es geht auch nicht darum, dass wir vielleicht gestört haben, weil wir unsere Bestellung abgesprochen haben. Sondern darum, wie man mit anderen Menschen im Allgemeinen und Gästen im Besonderen umgeht. Wir haben allerdings sehr deutlich gemerkt, dass Ihr Team sich in dieser Hinsicht in der Tat „nicht beirren“ lässt.

    Nur ein wenig von der Kommunikationskultur, die Sie in Ihrem Kommentar an den Tag legen, auch bei den Kollegen vor Ort – und dieser Text wäre nie erschienen.

  4. Das erinnert mich ja fast an eine Langer/Zeisler/Franze-Aktion in jener pseudo-italienischen Pizzabude am Rande von Börgerendes Campingplatz, die mit dem Auftauchen von drei Familien, zu denen sechs Kinder gehörten, ihre lieben Probleme hatten. Manche Lokalitäten sollten dann doch lieber ein „Für Familien verboten“-Schild aufstellen.

  5. @Monaco
    Tolle Idee mit dem Türschild, dann aber bitte auch so groß, dass jeder es lesen kann und nicht wie im Fischerhof das „Flaschen nicht mitnehmen!“-Schild, welches ich bis heute noch nicht entdeckt habe!

    @Fischerhof
    Geschrieen haben übrigens am diesem besagten Tag nur zwei Angestellte und kein Gast. Aber dass Sie aufgrund der durch die im Bestellraum befindliche Küche und dem damit verbundenen sehr hohen Lärmpegel Schwierigkeiten haben die Bestellungen aufzunehmen finde ich sehr verständlich. Da gäbe es sicherlich gute Lösungen. Schreierei ist keine!

  6. Na, immerhin gibt es einen eigenen Tag für jeden. Das hat schon mal dazu geführt, dass bei der Suche nach dem Namen eines Neubrandenburger Gastronomiebetriebes der Tag-Link auf des Herdnerds Seite das 2. Suchergebnis war. Ist aber mittlerweile auch nicht mehr so. Mit Platz 9 muss sich der gleiche Tag bei rundumgenuss.de begnügen. Aber egal.
    Die Nennung des Restaurants erst am Ende des Artikels (bzw. auch am Ende des Radiobeitrages) habe ich mal als Stilmittel definiert. Der kundige Leser kann ja zur Not von hinten anfangen zu lesen.
    Heute saß ich übrigens auch am Ufer eines Sees und aß Fisch. Mehr dazu am Sonntagabend bei RundumGenuss.de (und natürlich auch beim Herdnerd). Dann auch wieder als Audio. Eins vorweg: Es war etwas besser. Naja, viel besser. Na gut: Richtig gut. Selten so gut gegessen und bedient worden. 😉

  7. @Monaco
    Ohja, das hatten wir ja fast schon vergessen. Ein Klassiker unserer „Wir gehen mit vielen Leuten essen“-Momente.

    @DirkNB
    Ich mag das Stilmittel, weil ich immer knobele, um welchen Laden es denn geht. Bin schon gespannt auf die kommende Kritik.

  8. @DirkNB
    Ich scrolle immer erst bis zu den Tags runter, um dann erst zu lesen, wie es dort für Dich war. Bin halt ein letzte Buchseiten Aufblätterer. Das ein oder andere Wochenend-Familienausflugsziel wurde dann schon mal empfehlungsbedingt ins Auge gefasst, beispielsweise die Seebrücke Lubmin. Und auch wenn der postsozialistische Einrichtungscharme dort außen wie innen fröhliche Urständ feiert, war das Essen sehr ordentlich. Würde Dir hier über Bande mal das Torschließerhäuschen in Stralsund nahelegen.

    @selanger
    Es zeigt sich wieder: Sowohl wir als auch andere Leute gehen leider viel zu selten mit vielen Leuten essen. Ansonsten wären die Bediensteten in den Gastronomiebetrieben etwas stressresistenter.
    Oder wir hätten überall Hausverbot.

  9. @Monaco
    Danke für den Tipp, aber wir wollen erstmal die Stadt und die nähere Umgebung abgrasen. Auswärts waren wir schon zu viel … 😉

  10. @selanger
    Der Text ist schon geschrieben, aber da wir jetzt auch immer noch aus der Radiosendung einen Podcast machen, gibts auch den Text zusammen mit dem Audio erst nach der Sendung. Also in der Nacht zu Montag.

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