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Steffen Simon und die ostdeutsche Unterschicht

Steffen Simon und die ostdeutsche Unterschicht

Ach, Steffen Simon.

Was werden Sie doch häufig verkannt. Ihre stets überdurchschnittlich ausgeprägte Absicht, auch noch den Namen des Bruders des liechtensteinischen Fußballnationaltrainerassistenten a) zu kennen und b) total landessprachig korrekt auszusprechen – nur Hohn und Spott ernten Sie üblicherweise für diesen selbstlosen Dienst am Zuschauer.

Ihre medienkulturelle Höchstleistung, anstelle des zu kommentierenden Fußballspiels vollkommen andere Ereignisse wortgewaltig zu beschreiben – grandios unterschätzt, bis heute. Und niemand würdigt ihre wegweisende Leistung auf dem durchaus glatten Parkett der FrisurRevolutionen. Niemand!

Nun haben Sie einen erneuten Versuch unternommen, im Dienst der Aufklärung wahre Worte über das Boxen und die ostdeutsche Unterschicht gelassen auszusprechen. Welche das waren, beschreibe ich hier im Sportblog des Nordkurier.

Foto: Publikum bei einem Boxkampf Sebastian Sylvesters in Neubrandenburg

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Zeitenwechsel

Aller schlechten Dinge sind drei.

1999. Seine Mannschaft steht im wichtigsten Klubfinale der Welt. Sie geht in Führung, dominiert das Spiel, trifft das Aluminium, wichtige Spieler werden in Siegesgewissheit ausgewechselt. Er hat wenig zu tun, wähnt sich als Sieger, Erster, Bester. Diese Sicherheit wird er nie wieder haben. Immer wieder denkt er später an dieses Spiel und bläut sich ein, nie wieder so sicher zu sein, wenn er den Abpfiff noch nicht gehört hat, immer weiter zu machen. Er denkt an den Schock nach dem späten Ausgleich, der allerdings nicht lange währte, weil er durch ein nachspielzeitiges Fußball-Koma abgelöst wurde. Ich habe dieses Spiel mit einem echten Bayern-Fan erlebt und konnte anschließend mein Mitleid in Kilogramm messen.

2002.
Er ist der Beste des Turniers. Er hat seine Mannschaft mit einer konstant guten Leistung ins Finale gespielt, er ist die sichere Bank, derjenige, auf den sich alle verlassen können. Er hat sich auf dem Fußballolymp gesehen und in der letzten Partie selbst von den Stufen geschubst. Er hat ihn nicht festgehalten, diesen eigentlich festhaltbaren Ball. Es war der Anfang vom Ende, vom Ende dieses Spiels, dieser WM und seiner Hoch-Zeit. Er wurde wieder Mensch; und der Pfosten, an dem er schließlich konsterniert lehnte, hätte eigentlich für einen guten Zweck versteigert werden müssen.

2008.
Seine letzte Spielzeit. Er hütet das Tor der besten Mannschaft Deutschlands, auf seiner Abschiedstournee werden alle, Freunde und Feinde, versöhnlich. Sie gönnen ihm die Meisterschaft, sie gönnen ihm den Pokalsieg. Durch den Uefa-Pokal huscht das Team so durch, sein fatalistischer Ausflug in gegnerische Strafraumgestade rettet das Halbfinale. Dort ist Schluß. Eine in Form und Inhalt vernichtende Niederlage besiegelt seine internationale Karriere, vier Mal muss er den Ball aus dem eigenen Netz klauben. Ein Titan der alten Schule scheitert an einer russischen Gas-Mannschaft. Es ist ein Zeitenwechsel. Hätte man ihn gefragt, hätte er sich vermutlich eine legendäre Fußball-Schlacht in Barcelona, Manchester oder Mailand für sein europäisches Byebye gewählt. Falsch: Er hätte sich natürlich einen sicheren Finalsieg in Moskau erbeten. So wurde er mitsamt Riberoni und der halben Nationalmannschaft von einer souveränen Staatskonzern-Elf gedemütigt. Aber er wird es wie ein Mann nehmen, ganz sicher.

Auf Wiedersehen, Oliver Kahn.