Karow, Parchtitz, Neddemin – Weihnachtshäuser in MV

Gerade mal zwei festlich erleuchtete Häuser am Plauer See und auf Rügen bietet die Seite weihnachts-lichter.de für Mecklenburg-Vorpommern auf. Für das laut Eigenwerbung „größte deutschsprachige Weihnachtshäuser-Portal“ ein bisschen dürftig, finde ich, fährt man doch gefühlt in jedem siebten Ort an einem dieser übermäßig lichtdekorierten Buntburgen vorbei. Natürlich fehlt zum Beispiel auch das Neddeminer Weihnachtshaus, das per Bild hier zu bewundern ist und vor einigen Jahren auch schon im Fernsehen war:

Und überhaupt sollte man die Show denen überlassen, die es können. So widme ich abschließend Heinrich und allen anderen Star-Wars-Fans noch diese häusliche Ungeheuerlichkeit:

Alle Jahre wieder kommt der Weihnachtsmarkt

Es gibt in der wunderwonnigen Winterwelt nur wenig Trostloseres als einen Weihnachtsmarkt in der Provinz. An einem grauhalbhellen Donnerstag vor Heiligabend. Mittags, dreiviertel eins. Null Grad, bedeckt, böig.

Die Schallwellen von „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ (Losbude) und „In der Weihnachtsbäckerei“ (Kinderkarussell) vermischen sich auf unschöne Art und Weise miteinander.

Die Chipeinsammler der vier Fahrgeschäfte treten von einem Fuß auf den anderen. Sie haben den Job schon zu lange gemacht, als dass etliche Becher Glühwein mit Doppelschuss ihren Körpern noch Wärme vorgaukeln könnten.

Die letzten Restbatzen Schnee von vor zwei Wochen haben sich als überdimensionale Vogelschiete verkleidet und gammeltauen in den Ecken ihrem baldigen Ende entgegen.

Niemand will mehr Bratwurst essen, und doch stehen einige Unentwegte an den märktlichen Futtertrögen; schließlich ist Mittagszeit, und beim Bäcker wie auch beim Dönermann hat man sich längst durch die Speisekarte gefuttert.

Der Pyramidenwiederaufbauer in der Wurfbude bringt denselben Spruch wie noch vor zwei Wochen, wenn er gnädig verbliebene Pyramidendosen abräumt, um dem Werfer statt einem Paar Plastikhandschellen nun eben mal aus der nächsthöheren Gewinnkategorie ein Plastik-Teleskop-Fernrohr zu gönnen.

Einige Minitannenbäume, die zwecks Dekoration des Buden-Karussell-Konvoluts an den optisch neuralgischen Stellen platziert worden waren, liegen im Schneematsch; ihre Nadeln dürften noch 2013 unter nicht wenigen Marktbesuchersohlen kleben.

Die Weihnachtsmarktfrauen und -männer sehen müde aus, ob nun wegen der wochenlangen Weihnachtsmarktarbeit bei Minusgraden und Dauerbumsbeschallung, oder, weil einige von ihnen generell einen eher ermüdenden Lebensstil pflegen; es spielt wohl auch keine Rolle.

Und dann entströmen einem ankommenden Stadtbus zwei, drei Familien mit jungen Kindern, vier, fünf, sechs Jahre alt sind sie vielleicht. Könnten sie schon lesen, würden sie vollkommen verständnislos den Kopf schüttelnd die vorigen Zeilen mit einer kurzen Handbewegung abtun und sich einfach ins großartige Getümmel stürzen; so zumindest war ihre Mimik beim Ankommen zu deuten. Ein Jubel! Ein Trubel!! Und da: ZUCKERWATTE!!! Sie kreischen und rennen und wollen alles auf einmal ausprobieren. Sie sind der Grund, warum es diesen Weihnachtsmarkt gibt, dieses Jahr, nächstes Jahr, immer wieder.

Und dann fängt es langsam, ganz langsam an zu schneien.

Kinder auf 180 ;o)

In der Küche riecht es lecker

In der Weihnachtsbäckerei

Das eine Tablett mit Zutaten gefüllt, das andere Tablet mit der Weihnachtsliederliste, den Esstisch eingemehlt, die eLumination eingeschaltet und bemerkt, dass das Teigausrollgerät fehlt. Flink zu Mudders gefahren und ihres geklaut. Dann aber los.

Ein wenig Hektik entstand, als die Schokoglasur wieder zu härten begann, die Plätzchenwichtel aber lieber mit Lebensmittelfarbtuben hantieren wollten. Dafür ist jedes Plätzchen ein Unikat, und sogar Haselnussbrüste gibt es dieses Jahr auf dem bunten Teller. Aufklärung kann also auch Spaß machen. Und schmecken.

Plätzchen, reloaded

Schiefe Zahlen

Oder: Wie in der beschaulichen Adventszeit Neologismen geboren werden.

Heute ist der 1. Dezember, heute ist der Tag der Adventskalenderindustrie. Und es ist gut, dass es sie gibt. Denn gestern war der Abend der „Wie – ihr habt keine Adventskalender???“-*tränenkuller*-Töchter und „Futter bloß nicht die Weihnachtsschoko auf!!!“-Mütter. Dabei war das natürlich bloß ein Spaß – selbstverständlich haben wir Adventskalender.

Einen für jedes Kind. Und: einen für die Eltern. Von den Großeltern. Hurra! Aber nochmal: Einen. Für die Eltern. Zwei. Einen – zwei. Na?

Genau. Und dem Heinrich in seiner Gerechtigkeit-Ungerechtigkeit-Prägungsphase fiel es sofort auf: „Wer macht nun eigentlich euer erstes Türchen auf?“ Als geborener Dienstleister hatte er dann auch gleich eine faire Lösung parat, und da er auf die Einschulung zusteuert und äußerst mitteilungsfreudige Zahlenkundige als Schwestern hat, sind ihm die Grundlagen der Mathematik nicht mehr fremd. So ward es dann auch beschlossen und verkündet:

„Mama macht die geraden Zahlen auf. Und Papa die schiefen Zahlen.“

leuchtfiguren

Kleiner Illuminator-Blues zum Wochenende

Solange es niemanden gibt, der nicht Ende November für okayes Geld die DNA kilometerlanger Lichterketten entschlüsselt, sie also geduldig aus ihrem Dachboden-Winterschlaf entwirrt und mit einem fröhlichen Gassenhauer auf den Lippen entspannt in Reihe bringt, ohne bereits nach zehn Minuten genervt so stark an dem nach wie vor gewaltigen Lichterketten-Knäuel zieht, bis mindestens drei unschuldige Lichter abreißen; solange es also so jemanden nicht gibt, braucht mir niemand etwas von Dienstleistungsgesellschaft erzählen.