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Aneinander vorbei

Aneinander vorbei

Es ist manchmal ja auch kompliziert.

Auf der einen Seite sind da die Politik und die großen Tech-Konzerne. Die beschäftigen tausende Menschen damit, Regeln für das Miteinander im digitalen Zeitalter auszuhandeln, umzusetzen und gegebenenfalls zu modifizieren. Das nennt sich dann Europäische Datenschutzgrundverordnung und Allgemeine Geschäftsbedingungen und muss juristisch wasserdicht sein und wasweißichnochalles. Praktisch betrachtet ist es vielleicht das geringste Übel, aber eben: ein Übel.

Auf der anderen Seite sind da junge Menschen, die die Möglichkeit haben, unkompliziert mit anderen Menschen zu kommunizieren. Diese Chance nutzen sie – natürlich! – und halten sich dabei weder an Grundverordnungen oder Geschäftsbedingungen, sondern vor allem größtenteils an den gesunden Menschenverstand. Wenn ich Charlotte, Luise und Heinrich beobachte, wie sie mit Whatsapp, Youtube, dem Internet und Technik generell umgehen, sich dem ganzen Zeug annähern, mit sich, ihren Eltern und ihrem Kinderverstand um die Best Practice ringen, dann denke ich manchmal: Leute, lernt mehr von den Kindern.

Aber wer hört mir schon zu. Jedenfalls hat Whatsapp bald ein neues Mindestalter, und Theorie und Praxis sind hier mal wieder zwei Paar Schuhe.

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Jo!

Jo!

Irgendwann saßen wir dann allesamt mal an einem Tisch, und die Gastgeberin kam dazu und schwätzte so lieb und sabbelte so nett und hörte gar nicht mehr auf und nötigte die Kinder am Ende sogar noch dazu, bloß ja die essbaren Blumen auf dem selbst gebackenen Kuchen auch alle aufzufuttern – und da wussten wir: Die ist nicht von hier! Die ist viel zu freundlich, überschwänglich geradezu, und die meint das auch alles noch ernst, die ist wirklich so, da war nix gespielt oder gekünstelt, wirkte aber doch fremd, in einer Art und Weise, die man erst sehr viel später versteht.

Denn viele Menschen im Nordosten sind anders. Die sind nicht nett, und freundlich, und nett und freundlich zu Fremden schon mal gar nicht. Die grummeln sich durch den Tag und sind froh, wenn hin und wieder mal irgendeine alarmistische Nachricht über ihre Region verbreitet wird, auf dass ihnen die Gentrifizierung gefälligst gestohlen bleiben kann und alle hier gar nicht mehr hinwollen und da bleiben, wo sowieso schon alle sind.

Noch ein paar mehr Gedanken zum Thema Mecklenburg und Vorpommern und Ostseeküste sowie Gastfreundschaft habe ich an dieser Stelle mal aufgeschrieben.

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Neubrandenburg Sport

50 Jahre Fußball-Knabenturnier in Neubrandenburg – Meine Sicht auf einen besonderen Tag

Knabenturnier

Das hier ist meine Sicht auf das Knabenturnier. Ich sitze mit den Kollegen auf einer Empore, sehe mir die Spiele an und schreibe darüber. Neben uns haben die Schiedsrichter ihr Lager, manchmal werten sie nach einem Spiel noch mal eine knifflige Situation aus. Die Fotografen und Videofilmer flitzen regelmäßig die Treppe runter und wieder hoch, denn die Fans, die nicht in der Halle sein können, wollen schließlich nicht nur lesen von ihren Jungs, sondern sie auch sehen.

toppiAm Morgen bin ich ganz früh aufgestanden, habe mir zum einzigen Mal im Jahr das Polo-Shirt mit dem nordkurier-Fähnchen drauf aus dem Kleiderschrank geholt, mir das Eintrittskartenbändchen, den Laptop und was zu trinken geschnappt, und dann nix wie los zum Jahnsportforum. Jedes Jahr aufs Neue freue ich mich auf diesen Tag. Es wird anstrengend werden, ja, aber es ist diese Art von Stress, die einen vor allem glücklich macht.

Davon sehe ich an diesem besonderen Tag sehr viel: schwer beschäftigte, aber glückliche Menschen. Sie haben tage-, wochen-, sogar monatelang auf diesen Tag hingearbeitet, und jetzt genießen sie die Früchte ihrer Mühen.

Junge Fußballer, die merken, dass ihnen auch vor 3000 Zuschauern die so lange geübte Finte gelingt.

Ambitionierte Trainer, die stolz auf ihre gerade mit dem Fair-Play-Pokal ausgezeichnete Mannschaft sind.

Fleißige Helfer, die dem Turnier Zeit, Kraft, Stimme und Geld schenken und mit der fünften La Ola in Folge belohnt werden, die während des hinreißenden Finalspiels durchs euphorisierte Publikum schwappt.

Leidenschaftliche Zuschauer, die die Mannschaft ihrer Herzen engagiert unterstützen und dafür einen Tag lang allerbeste Sport-Unterhaltung serviert bekommen.

Und die manchmal viele Jahre später einen Namen lesen, der ihnen irgendwie bekannt vorkommt. Frank Rohde. Andreas Thom. Matthias Sammer. Bernd Schneider. Michael Ballack. Tim Borowski. Thomas Hitzlsperger. Manuel Neuer. Jérôme Boateng. Thomas Müller. Toni Kroos. Mario Götze. „Sag mal, haben wir den nicht damals schon einmal beim Knabenturnier dribbeln gesehen?“

Auf großer Bühne Fußball zu spielen: Davon träumen – so wie oben auch der kleine Junge rechts auf dem Bild – alle, die beim Knabenturneir um den Sieg kämpfen. Und das, finde ich, das macht diesen Tag auch so besonders: Dass er für einige der Nachwuchsfußballer ein Schritt auf dem langen Weg ist, sich diesen Traum von der ganz großen Bühne eines Tages selbst zu erfüllen.

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Dieser Text ist eine leicht modifizierte Fassung des Epilogs im 200-Seiten-Buch „Eine runde Sache: 50 Jahre Fußball-Knabenturnier“, das ich die Ehre hatte, im vergangenen Jahr für den Mecklenbook-Verlag zusammenstellen zu dürfen. Darin: natürlich die gesamte Turnier-Historie, die Erklärung, wie das Knabenturnier und der WM-Titel 2014 zusammenhängen, ein ganzer Schwung Bilder von 1966 bis 2015, jede Menge Geschichten, Hintergründe und Anekdoten sowie selbstverständlich ein üppiger Statistik-Teil.

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Dieses Jahr hat es wieder viel Spaß gemacht. Der Arbeitsnachweis: Hier, unter Newsticker, sowie natürlich hier und am Knabenturnier-Tag auch mal kurz hier. Schön, dass selbst beim großen Jubiläum vor allem die fußballspielenden Jungs im Mittelpunkt standen. Und ein ganz großer Dank an Bayer Leverkusen: für ein tolles Geburtstags-Video, für stets großartige Jungfußballspieler – und für dieses ganz persönliche Geschenk:

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Blog Familie Netz Spaß Sport

Drei verweisenswerte Jahresend-Verweise in (fast) eigener Sache

Um das Jahr noch ein wenig rund zu machen, haue ich mal drei willkürliche Querverweise raus auf äußerst empfehlenswerte Seiten.

satgZum einen wäre da Steffi. Die Freundin meiner Schwester ist für ihr Politik-Studium in Kamerun und schreibt darüber. Das macht sie regelmäßig, begleitet von vielen Bildern und in einer angenehm klaren Sprache, fokussiert und doch nicht ohne Blick für die kleinen, spannenden Dinge. Sogar Videoschnipsel sind ab und zu dabei und vermitteln einen kleinen Eindruck von dem zentralafrikanischen Land. Ich lese gerne, wenn andere von der Welt berichten und kann das Blog „Steffi Around the Globe“ deshalb nur empfehlen. Als Einstiegstext ganz gut macht sich vielleicht zurzeit „Weihnachten bei Familie Dongué“ „Silvester, denn wer weiß hierzulande denn schon, was eine kamerunische Familie zum Weihnachtsschmause so isst zum Silvesterfeste anstellt?

dieaDann ist da Alex. Ein gute Freundin, die ein Gestaltungsbüro bei Greifswald hat und Dinge schöner macht. DieARTige heißt das Ganze, und wer uns schon mal besucht hat, kennt vielleicht die großartigen Namensbilder, die als Geschenk für Geburten oder Umzüge fast unschlagbar sind. Auf der Seite gibt es jetzt auch ein Blog, wo Alex Deko-Tipps für jede Gelegenheit und jeden Geschicklichkeitsgrad gibt. Alex gestaltet Räume, Karten, Logos, Bilder, Flyer, Webseiten, und das macht sie deshalb, weil sie es kann.

Und schließlich gibt es da ein Fußball-Turnier, das jedes Jahr viele Kinder und Erwachsene auf die Beine bringt und zu Jahresbeginn die besten Fußballspieler unter 13 Jahren nach Neubrandenburg bringt. Dieses Jahr ist mit Tottenham Hotspur erstmals ein Verein aus der englischen Premier League präsent, das Jahnsportforum ist bereits ausverkauft, und es wird wieder ein großer Spaß werden. Seit Jahren schreibe ich den Live-Ticker direkt aus der Halle, und es ist immer ein schöner Arbeitstag. Am 10. Januar ist es wieder soweit, dann ist auf dieser Nordkurier-Seite deutlich was los. Im dazugehörigen Facebook-Kanal treffen sich schon jetzt Kicker, Eltern und Freunde zur gepflegten Vorfreude. Dort findet man auch das Turnier-Maskottchen namens Toppi, den ich an dieser Stelle mal etwas zweckentfremde, um auch den Lesern dieser kleinen Netznische ein fröhliches Silvester und ein sehr schönes neues Jahr zu wünschen. Bis 2015!

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Medien Sport

Torsten Gütschow und der Ost-Fußball in der Sonntagszeitung

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Torsten Gütschow war einer der besten Stürmer der DDR. Im nur einmal ausgetragenen Deutschland Cup schoss er für Dynamo Dresden gegen den Bundesliga-Meister Bayern München das Goldene Tor. Er blieb in Dresden, wurde dann noch türkischer Meister, kickte in West und Ost, trainierte in West und Ost; und zuletzt musste er die Trainerbank der TSG Neustrelitz verlassen, weil er nicht verhindern konnte, dass eine zur Hälfte ausgetauschte Mannschaft Fußballspiele verliert.

Warum Torsten Gütschow sowohl den Fußball in der DDR als auch den Weg des Ost-Fußballs nach der Wende ganz gut repräsentiert, habe ich in der heute erschienenen Sonntagszeitung des Nordkurier anlässlich des 25. Mauerfall-Jubiläums versucht aufzuschreiben.

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Haus Spaß

Besser bewusst buddeln

Ganz passend zur „Ausgebuddelt“-Reihe hier im Blog das Nordkurier-„Unten rechts“ von heute:

450px-Venus_vom_Hohlen_Fels_Original_frontalWo doch die Gartensaison in vollem Gange ist, noch ein Tipp für alle passionierten Erdarbeiter: Augen auf beim Umgraben! Denn sonst verpassen Sie womöglich einen archäologischen Sensationsfund. Dieses Ding hier ist zum Beispiel weder ein gutes Beispiel für schlechte Zahnputzmanieren noch eine besonders drollig geratene Frühkartoffel, sondern die elfenbeinige „Venus vom Hohlen Fels“, die mit 40 000 Jahren älteste Menschendarstellung von der Schwäbischen Alb. Das weiß der Fachmann, und der Hobby-Gärtner fragt sich dennoch, ob er nicht beim Buddeln aus Versehen schon einige zeitgeschichtliche Attraktionen aufgedeckt, nicht erkannt und wieder verschüttet hat. Das wäre jammerschade: Denn so ein „Amor vom Radieschenbeet“ würde sich schließlich in jeder Laubenvitrine gut machen.

Foto: Thilo Parg via Wikimedia Commons unter CC-Lizenz by-sa
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Netz Politik

Chaos im Universum von Cyber

cyberZum Thema Datenabhörskandal soll ein schöner Satz, der am späten Donnerstagabend in der Talkshow von Anne Will gesagt wurde (hier auf Youtube), nicht vergessen werden.

„Da herrscht ein wildes Durcheinander im Universum von Cyber“, konstatierte der renommierte Historiker Michael Stürmer (74) mitten in der lebhaftesten Diskussion, und es fehlte im Prinzip nur noch, dass die Redaktion im Hintergrund das bedrohliche Darth-Vader-Thema aus Star Wars eingespielt hätte.

Das Universum von Cyber! Vermutlich Millionen Lichtjahre entfernt, da kann ja niemand den Überblick behalten. Damit wird auch klar, was Angela Merkel (58) im Vorfeld des Obama-Besuchs in Berlin meinte, als sie betreffs des Cyber-Universum feststellte: “Das Internet ist für uns alle Neuland.”

Aber mal abgesehen von der poetisch-possierlichen Wortwahl: Michael Stürmer hat etwas ganz Wichtiges zur Sprache gebracht. Nicht die filmreife Personalie Edward Snowden ist das eigentlich aufregende Thema des Skandals. Sondern das in der Tat wilde Durcheinander, das in dem Daten-Geflecht aus Geheimdiensten, Netz-Giganten und privater Nutzer offenbar entstanden ist. Der klar artiklierte Wille, das zu beleuchten und zu entwirren sollte nach Prism und Tempora auf keiner politischen Agenda mehr fehlen.

(„Unten rechts“ im Nordkurier vom 5. Juli 2013, Foto: Digital Game Museum via flickr unter CC-Lizenz by)

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Medien Neubrandenburg

Nordkurier: Arbeitsnachweis und Linkschau Januar 2013

nordkurier_logoMal ein paar kleine Hinweise auf Themen, die ich jüngst für den Nordkurier bearbeitet habe:

Der niederländische Schweinezüchter Adriaan Straathof baut in MV riesige Mastanlagen. Dabei geht nicht immer alles mit ordentlichen Sachen zu. Eine Zusammenfassung des aktuellen Stands der Dinge inklusive Verweis auf die jüngste WDR-Doku zum Thema gibt es hier.

Die Zeit schreibt über das kleine Wirtschaftswunder in Neubrandenburg. Die Daten sind leicht veraltet, aber man freut sich ja über jedes „Juchhe“, was je über den Nordosten publiziert wird. Dennoch: „Boomtown“ würde ich die Viertorestadt nun nicht unbedingt nennen wollen. Auch die Nordkurier-Leser sehen das recht differenziert.

Morgen wird er es tun. Lance Armstrong, Radrennfahrer aus den USA, gesteht systematisches Doping. Seine Tour-de-France-Siege sind längst aus der Historie gestrichen. Und jetzt weint sich der Herr Erbarmstrong bei Oprah Winfrey aus. Ein Kommentar.

Das 47. Fußball-Knabenturnier ist Geschichte. Zusammen mit dem guten Monaco Franze habe ich traditionell die Quasi-Live-Spielberichte verfasst. Was sonst noch rund ums größte D-Junioren-Hallenturnier Deutschlands passiert ist, fasst der Facebook-Auftritt des Knabenturnier gut zusammen.

Und dann noch etwas, was Kollege Hartmut Nieswandt seit ein paar Wochen fortschreibt: Eine Serie über die Wiekhäuser der Neubrandenburger Stadtmauer. „25 Glücksfälle in der Stadtmauer“ nennt es die Redaktion, und ich finde, jeder echte Neubrandenburger sollte halbwegs wissen, was sich in den Wiekhäusern so abspielt.

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Medien

Gendarmenpistolen aus Hamburg

Sehr geehrter Herr Ruwoldt,

Sie waren so nett, sich im Ost-Blog von Zeit Online in dem Text Räuberpistolen aus Neubrandenburg mit dem Nordkurier zu beschäftigen. Leider scheinen nach Ihrer Lektüre noch einige Fragen offen geblieben zu sein. Als Nordkurier-Redakteur möchte ich Ihnen deshalb an dieser Stelle versuchen, einige Antworten zu geben.

Was soll so eine Story, immerhin der Blatt-Aufmacher unter dem großen Schwippbogen-Foto zum 1. Advent?

Sie beziehen sich dabei auf den Text „Immer mehr Senioren in MV werden kriminell„, der in der vergangenen Wochenendausgabe die Zeitung eröffnete. Nun, wie Sie vielleicht wissen, ist MV nicht gerade der Jungbrunnen der Nation, und die Nordkurier-Leser unter den Meckpommern sind dann nochmal ein Stückchen älter. Wenn eine relevante Zielgruppe der Zeitung also laut offizieller Statistik (Quelle: LKA MV, pdf)zunehmend in der Kriminalstatistik auftaucht, dann ist das per se ein Aufmacherthema.

Aber es ging Ihnen vornehmlich wohl auch nicht um das was, sondern vielmehr um das wie:

Ja, Renter, die etwas anderes machen als Kaffee trinken, taugen immer für eine Schlagzeile. Aber so? Warum spendiert uns der Nordkurier nicht die Zusammenhänge, die Zahlen von der Altersarmut, von den sinkenden Renten, von der fehlenden weil unterfinanzierten sozialen Betreuung?

Ja, auch wenn Sie es etwas überspitzen: Menschen, die etwas anderes tun, als man Ihnen gemeinhin zusprechen würde, sind interessant und also auch ein potenzielles Thema für eine Zeitung. Das gilt für die Zeit wie für den Nordkurier.

„Aber so?“ Ja, so. Ohne den Text selbst geschrieben und redigiert zu haben vermute ich, dass die Ihnen fehlenden Zusammenhänge und Zahlen nicht in dem Text auftauchen, weil der Platz für den Aufmacher auf der Titelseite nunmal begrenzt ist und weil bei einer weiteren Themenauffächerung der eigentliche Nachrichtenkern nicht so herausgearbeitet hätte werden können: Anteilig mehr Rentner kriminell, ist aber zu großen Teilen auch ein statistisches Problem.

Nicht ausblenden möchte ich allerdings einen weiteren potenziellen Hintergrund: Ministerzitate und Expertenbefragung sind im Zweifel schneller zu beschaffen, als das Thema selbst noch mal aufwendig durchzurecherchieren. Wäre dies der Fall gewesen, wäre aus dem Sujet vermutlich aber auch eine eigene Seite drei geworden.

Bevor das Blatt in seiner Wochenendaufmachungsstory allerdings für Aufklärung sorgt, kann es sich natürlich nicht verkneifen, das Boulevard-Vokabular aus der Kiste zu holen und führt seinen Bericht mit dem Satz ein: “Hilfe, Oma und Opa klauen! … Altersgerechte Zellen sind in der Sicherungsverwahrung bereits eingeplant.” Man denkt zunächst, dass einen der Nordkurier hier in den April schicken will, dann aber kommt noch ein Experte zu Wort (…)

Ja, über den Print-Vorspann kann man streiten. Einige Leser haben dies übrigens auch schon mit Verve getan. Hier vielleicht nur als kleiner Hintergrund der Hinweis, dass der Nordkurier gerade den Readerscan hinter sich hat. Warum Sie sich aber im April wähnen, kann ich nicht nachvollziehen. Wegen der Rentner-Zellen? Die werden in den beiden letzten Absätzen, die Sie ja bestimmt auch gelesen haben, von der Justizministerin in Erwägung gezogen.

Und was den Experten betrifft: Den trifft man zwangsläufig in allen Medien.

Die Karikatur von den kleptomanischen Großeltern soll offenbar die Leser locken.

Das haben Sie sehr gut erkannt. Wir möchten gelesen werden. Ob ein boulevardesker Satz im Vorspann gleich als Karikatur gelten muss, würde ich bestreiten wollen. Ob so ein Thema so präsentiert werden muss, ist diskutabel. Ob dieser Text einen Anlass für eine Werkskritik gerade im Ost-Blog von Zeit Online bietet, das kann ich nicht beurteilen; skeptisch bin ich allemal: Ich vermute, auch in westdeutschen Regionalzeitungen werden solche Aufmacher geschrieben und gelesen.

Herr Ruwoldt, ich finde es gut, dass Sie über den Osten bloggen. Besser fände ich es noch, wenn Sie dabei Ihren Blog-Slogan „Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.“ nicht allzu wörtlich nehmen.

Und Schwibbogen kommt nicht von beschwipst.

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Netz

Menschen interessieren sich für Menschen

Menschen interessieren sich für Menschen. Dieser Gemeinplatz taucht immer mal wieder in der Redaktion auf, wenn ein allzu trockenstaubiger Text den Weg zu des Lesers wählerischen Augen zu nehmen droht. „Nettes Thema“, heißt es dann, „aber kann man das nicht an einem Menschen festmachen?“

„Menschen interessieren sich für Menschen“ ist auch eine einfache Antwort auf die Frage, was denn mit diesem Internet in den letzten Jahren so passiert ist. Irgendjemand hat begonnen, soziale Netzwerke zu erfinden, und zack! – klicktippten sich plötzlich auch Netzferne und Computerpessimisten durch die Profilhalden der Bekannten und Verwandten.

Menschen interessieren sich für Menschen, das hat vor mehr als acht Jahren auch Mark Zuckerberg begriffen. In einigen Tagen reüssiert das von ihm gegründete soziale Netzwerk Facebook an der Börse. Im Film „The Social Network“, der die Entstehung von Facebook nachzeichnet, beklagt sich ein Kommilitone Zuckerbergs beim Uni-Präsidenten, dass Mark Zuckerberg seine Idee geklaut habe: „Diese Idee ist potenziell Millionen Dollar wert!“ Der Präsident, der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers, antwortet hochkopfert: „Da gehen aber doch wohl Ihre Vorstellungen ein wenig mit Ihnen durch.“

Nach dem Börsengang wird der Aktienwert von Facebook rund 100 Milliarden Dollar betragen.

Erstveröffentlicht als Kolumne im Nordkurier